Die Hoffnung auf deutlich sinkende Bauzinsen im Jahr 2026 dürfte sich nicht erfüllen. Nach Einschätzung von Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, bewegen sich die Zinsen für zehnjährige Darlehen auf einem stabilen Niveau um vier Prozent. „Insgesamt sprechen die aktuellen Rahmenbedingungen jedoch eher für eine Seitwärtsbewegung“, erklärt Hertweck im Zins-Check der Woche der Funke Mediengruppe. Kurzfristige Schwankungen seien zwar möglich, aber eine klare Tendenz nach unten sei nicht erkennbar.
EZB-Entscheid und geopolitische Risiken
Der anstehende Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Die EZB müsse einerseits die Inflation im Blick behalten, andererseits die wirtschaftliche Entwicklung nicht aus den Augen verlieren. Zusätzliche Unsicherheiten gehen nach Hertwecks Worten von geopolitischen Konflikten aus. Steigende Energiepreise oder gestörte Lieferketten könnten den Inflationsdruck erhöhen und damit die Zinsentwicklung beeinflussen. Für die kommenden zwölf Monate erwartet Hertweck „weitgehend stabile bis leicht steigende Bauzinsen“.
Die richtige Finanzierungsstrategie ist entscheidend
Mindestens genauso wichtig wie das Zinsniveau sei jedoch die richtige Finanzierungsstrategie. „Die am häufigsten unterschätzte Strategie ist es, nicht ausschließlich auf den Zinssatz zu achten, sondern auch andere Kriterien stark zu gewichten“, sagt Hertweck. Viele Bauherren und Käufer konzentrierten sich zu sehr auf den günstigsten Zinssatz und vernachlässigten andere entscheidende Faktoren. „Die beste Finanzierung ist nicht zwingend die mit dem niedrigsten Zinssatz, sondern diejenige, die langfristig stabil, flexibel und planbar bleibt“, betont der Wüstenrot-Chef.
Aus seiner Sicht spielen vor allem ein ausreichender Eigenkapitalanteil, flexible Tilgungsmöglichkeiten und ein überschaubares Zinsänderungsrisiko eine zentrale Rolle. Wer 20 bis 30 Prozent Eigenkapital mitbringe, könne die Darlehenssumme reduzieren und profitiere häufig von besseren Finanzierungskonditionen. Gleichzeitig sorgten Sondertilgungsrechte sowie lange Zinsbindungen oder ein Bausparvertrag für mehr Sicherheit – insbesondere mit Blick auf mögliche Anschlussfinanzierungen. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, wie stark steigende Zinsen die Belastung bei Anschlussfinanzierungen erhöhen können“, betont Hertweck.
Preisverhandlungen: Hebel bei Sanierungskosten
Auch bei Preisverhandlungen am Immobilienmarkt sieht Hertweck Potenzial. „Der größte Hebel liegt bei Sanierungs- und Instandhaltungskosten, weil der Gebäudebestand immer stärker überaltert und eine Ertüchtigung auf den heutigen Gebäudestandard viel Geld kostet“, sagt Hertweck. Umso wichtiger sei eine sachliche Grundlage für Verhandlungen. Laut Hertweck sei „ein guter Ratschlag“ deshalb, einen Makler einzubeziehen. „Maklergespräche mit Verkäufern und Kaufinteressenten über den marktgerechten Preis sind immer dann zielführend, wenn sie auf der Grundlage einer sorgfältigen und sachkundigen Wertermittlung stattfinden.“ Eine objektive Wertermittlung schaffe Transparenz und helfe beiden Seiten, zu einer realistischen Einigung zu gelangen. Gleichzeitig werde die Finanzierung erleichtert, da notwendige Investitionen bereits bei der Preisermittlung berücksichtigt würden.
Verunsicherung bremst Kaufentscheidungen
Bestimmte Immobilientypen, die derzeit zu Unrecht gemieden werden, sieht Hertweck nicht. Das eigentliche Problem liege aus seiner Sicht weniger in einzelnen Marktsegmenten als in der allgemeinen Zurückhaltung vieler Verbraucher. „Viele Verbraucher sind verunsichert und dadurch zu zögerlich“, so Hertweck. Die Unsicherheit sei groß, weshalb Kaufentscheidungen häufig aufgeschoben würden. Dabei könne Abwarten auch Chancen kosten. Seiner Einschätzung nach bietet Wohneigentum nach wie vor erhebliche Vorteile – vorausgesetzt, Immobilienfinanzierung und Kaufentscheidung seien langfristig durchdacht.



