Geheimdienst warnt vor Bankenkrise in Russland – EU plant neue Sanktionen
Geheimdienst warnt vor Bankenkrise in Russland

Ein vertraulicher Geheimdienstbericht europäischer Dienste warnt vor einer drohenden Bankenkrise in Russland. Der der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorliegende zweiseitige Bericht mit dem Titel „Vermerk über die Wahrscheinlichkeit einer Bankenkrise in Russland im Jahr 2026“ soll europäische Regierungsvertreter über den Zustand des russischen Bankensektors informieren.

Bericht zeichnet düsteres Bild der russischen Wirtschaft

„Die Lage erweckt den Anschein einer dynamischen Wirtschaft“, heißt es in dem Bericht. Tatsächlich werde aber eine „explosive Situation“ verschleiert, die etwa durch einen wirtschaftlichen Schock wie ein umfassendes Sanktionspaket gegen die Banken ausgelöst werden könnte. Die Warnung kommt zu einer Zeit, in der die Europäische Union ein 21. Sanktionspaket vorbereitet. Dieses soll sich einem Insider zufolge auch gegen Banken und Kryptowährungs-Netzwerke richten und noch im Juli fertiggestellt werden.

Dem Bericht zufolge wurden die russischen Banken gedrängt, subventionierte Kredite an Rüstungsunternehmen und Immobilienkäufer zu vergeben. Die Autoren schätzen, dass zehn Prozent der Unternehmenskredite ausfallgefährdet sind. Zudem hätten einige Großbanken im vergangenen Jahr eine Quote notleidender Privatkredite von bis zu 15 Prozent gemeldet.

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Privatinsolvenzen steigen drastisch

Der Bericht verweist darauf, dass 2025 mehr als 500.000 Russen Privatinsolvenz angemeldet hätten – fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Staatliche Programme hätten darüber hinaus mehr als 13 Millionen Menschen dazu ermutigt, mindestens drei Kredite gleichzeitig aufzunehmen. Diese Zahlen deuten auf eine zunehmende Verschuldung der privaten Haushalte hin.

Die russische Zentralbank, die eine Stellungnahme ablehnte, hatte die Risiken zuletzt heruntergespielt. „Die Schwachstellen im Finanzsektor sind nicht kritisch“, sagte der stellvertretende Zentralbankchef Filipp Gabunija im Juni. Er betonte, das Kapitalpolster der Banken sei auf dem höchsten Stand seit drei Jahren.

Experten widersprechen Krisenszenario

Experten sehen jedoch keine unmittelbare Krise heraufziehen. „Russlands Wirtschaft stagniert, aber aufgrund der staatlichen Dominanz und der hohen Verteidigungsausgaben gibt es keine unmittelbare Finanzkrise“, sagte Chris Weafer, Russland-Experte bei der Beratungsfirma Macro Advisory. Die Vorstellung, dass eine neue Sanktionsrunde Russland in eine Krise stürzen werde, sei Wunschdenken, da Asien die Sanktionen ignoriere.

Taras Skworzow, Finanzvorstand der größten russischen Bank Sberbank, sagte Reuters, inzwischen hätten sich alle an die Sanktionen gewöhnt. Die EU hat seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 weitreichende Sanktionen verhängt. Die USA unter Präsident Donald Trump haben jedoch einige davon gelockert.

Hintergrund des Ukraine-Kriegs

Der Krieg in der Ukraine dauert bereits über vier Jahre. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert angesichts jüngster Raketenangriffe klare Nato-Beschlüsse. Die EU bereitet derweil das 21. Sanktionspaket vor, das die russische Wirtschaft weiter schwächen soll.

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