Augsburgs Stadtkämmerer Roland Freund hat angekündigt, trotz eines erwarteten Haushaltslochs von rund 100 Millionen Euro im kommenden Jahr an den geplanten Investitionen festzuhalten. „Wir werden nicht in eine Investitionsbremse treten, sondern Prioritäten setzen und neue Einnahmequellen erschließen“, sagte Freund der Augsburger Allgemeinen. Die Stadt müsse weiterhin in Schulen, Kitas und Infrastruktur investieren, um zukunftsfähig zu bleiben.
Haushaltslage: Defizit von 100 Millionen Euro erwartet
Der städtische Haushalt für 2026 weist nach aktuellen Planungen ein Defizit von etwa 100 Millionen Euro auf. Hauptgründe sind gestiegene Personalkosten, höhere Umlagen an den Freistaat und den Landkreis sowie geringere Gewerbesteuereinnahmen. Die Gewerbesteuer, wichtigste Einnahmequelle der Stadt, wird voraussichtlich um rund 15 Prozent unter dem Vorjahreswert bleiben.
Freund betonte, dass die Stadt nicht allein durch Sparen aus der Krise komme. „Wir müssen auch über neue Einnahmen nachdenken, etwa eine Anpassung der Hebesätze bei der Grundsteuer oder die Erschließung von Gewerbeflächen.“ Gleichzeitig kündigte er an, die Verwaltung zu verschlanken und Fördermittel stärker zu nutzen.
Investitionsprogramm: Fokus auf Bildung und Klimaschutz
Trotz der angespannten Finanzlage sollen die Investitionen in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben. Geplant sind unter anderem der Neubau zweier Grundschulen, die Sanierung von Sporthallen und der Ausbau der Fernwärme. Insgesamt sind für 2026 Investitionen von rund 150 Millionen Euro vorgesehen, finanziert durch Kredite und Rücklagen.
Freund verwies darauf, dass Investitionen in Bildung und Klimaschutz langfristig Kosten sparen. „Jeder Euro, den wir heute in energetische Sanierung stecken, senkt die Betriebskosten von morgen.“ Die Stadt rechnet mit zusätzlichen Einnahmen aus dem kommunalen Finanzausgleich, die jedoch nicht ausreichen werden, um das Defizit zu decken.
Kritik aus der Opposition: „Leben über unseren Verhältnissen“
Die Opposition im Stadtrat übt scharfe Kritik an Freunds Plänen. CSU-Fraktionschef Andreas Jäckel sagte: „Wir können uns diese Investitionen nicht leisten. Der Kämmerer muss Prioritäten setzen und auf Prestigeprojekte verzichten.“ Die Stadt lebe über ihre Verhältnisse, so Jäckel weiter. Auch die AfD fordert eine radikale Ausgabenkürzung, während die Grünen mehr Investitionen in den Nahverkehr verlangen.
Freund verteidigte seine Linie: „Wir können nicht aufhören zu investieren, nur weil die Konjunktur schwächelt. Das wäre ein Fehler mit langfristigen Folgen.“ Er verwies auf die niedrigen Zinsen und die gute Bonität der Stadt.
Ausblick: Sparpaket und neue Einnahmen
Um das Defizit zu reduzieren, plant die Stadt ein Sparpaket von 20 Millionen Euro pro Jahr. Dazu gehören die Streichung von freien Stellen, der Verkauf von städtischen Grundstücken und die Erhöhung der Parkgebühren. Gleichzeitig sollen Gewerbeflächen in den Stadtteilen Inningen und Bergheim erschlossen werden, um neue Firmen anzulocken.
Freund zeigte sich zuversichtlich, dass Augsburg die Krise bewältigen kann: „Wir haben in der Vergangenheit schon schwierigere Zeiten gemeistert. Mit einer klugen Finanzpolitik werden wir auch dieses Loch stopfen.“ Der Stadtrat wird den Haushaltsentwurf im Dezember beraten.



