Brandenburgs Agrar- und Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) hat sich klar für eine Herabstufung des Schutzstatus des Bibers ausgesprochen. „Ja, ich bin dafür“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Eine Änderung des Schutzstatus müsste jedoch auf EU- und Bundesebene umgesetzt werden. „Ich bin da in der Tat nicht ganz so optimistisch. Aber steter Tropfen höhlt den Stein“, fügte die Ministerin hinzu.
Einheitliche Länderposition fehlt
Mittelstädt betonte, dass es bislang keine einheitliche Meinung der Bundesländer zu diesem Thema gebe. „Egal, welche Maßnahme sie treffen wollen in Richtung Agrarministerkonferenz, in Richtung Umweltministerkonferenz, wir haben ein Einstimmigkeitsprinzip“, erklärte sie. Diese Hürde erschwere eine schnelle Umsetzung ihrer Forderung erheblich.
Biber sind streng geschützt
Der Biber ist in Deutschland und Europa streng geschützt. Er darf nur in Ausnahmen vergrämt und geschossen werden. In der im März dieses Jahres geänderten Biberverordnung in Brandenburg sind Ausnahmen von den Schutzvorschriften unter bestimmten Voraussetzungen ausgeweitet worden – etwa wenn der Biber an Deichen, Dämmen und Fischteichanlagen Schäden anrichtet. „Wenn Hochwasserlagen sind, wenn möglicherweise Menschen davon betroffen sind, wenn Infrastruktur betroffen ist, können sie auch entnommen werden“, so die Ministerin.
Rund 4000 Biber in Brandenburg
Die Nagetiere verursachen erhebliche Probleme, da sie mit ihren scharfen Zähnen Bäume fällen und durch den Bau von Dämmen Gewässer stauen oder Straßen unterhöhlen können. Laut Landesamt für Umwelt gibt es in Brandenburg rund 4000 Biber. Die Tiere sind nahezu flächendeckend im gesamten Bundesland verbreitet.
Kritik von Naturschutzverbänden
Naturschutzverbände kritisierten die neue Biberverordnung und die erleichterten Abschüsse. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht eine wachsende Gefährdung vor allem für den Elbebiber. Während des Oder-Hochwassers im September 2024 wurden etwa in den Landkreisen Märkisch-Oderland und Oder-Spree über Ausnahmeregelungen Biber erlegt. Die Kreise argumentierten mit Gefahrenabwehr – Naturschutzorganisationen bezeichneten dies als rechtswidrig.
Prämie für Nutria-Abschuss geplant
Neben dem Biber sind auch invasive Arten wie Nutria und Bisam in Brandenburg weit verbreitet. Das Land plane, Jagdausübungsberechtigten für den Abschuss von Nutrias eine Prämie von voraussichtlich sechs Euro je Tier zu zahlen, so Mittelstädt. Eine Vorlage dazu befinde sich in der Abstimmung, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Zwei Wasser- und Bodenverbände in Brandenburg zahlten bereits eine solche Prämie.
Jagdstatistik zeigt hohe Abschusszahlen
Im Jagdjahr 2024/2025 wurden laut Statistik 4318 Nutrias und 351 Bisam in Brandenburg erlegt. Im Jahr zuvor, 2023/2024, waren es 4821 Nutrias und 256 Bisam. Diese Nagetiere leben in der Nähe von Gewässern. Die Nutria ist auch bekannt als Biberratte, der Bisam gehört zur Familie der Wühlmäuse und ist kleiner als die Nutria.



