Unicredit sichert sich fast 40 Prozent an Commerzbank
Unicredit: Fast 40 Prozent an Commerzbank sicher

Die italienische Großbank Unicredit treibt die Übernahme der Commerzbank trotz erbitterten Widerstands in Deutschland weiter voran. Nach eigenen Angaben hat das Institut nun fast 40 Prozent der Anteile des Dax-Konzerns sicher. Das Angebot zum Kauf sämtlicher Commerzbank-Aktien bleibt noch bis einschließlich 3. Juli aufrecht. Das finale Ergebnis soll voraussichtlich am 8. Juli veröffentlicht werden, teilte die Unicredit mit.

Commerzbank rät weiterhin von Annahme ab

Die Commerzbank rät ihren Aktionären weiterhin davon ab, das Umtauschangebot anzunehmen. Ein Sprecher erklärte, es sei „unverändert keine angemessene Prämie“ enthalten. Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien, was umgerechnet lange Zeit unter dem Börsenwert der Commerzbank-Papiere lag. Dennoch bleibt die Commerzbank offen für Gespräche, sofern die Unicredit eine echte Bereitschaft zeigt, die von der Commerzbank aufgezeigten Punkte ernsthaft zu diskutieren. Die Voraussetzungen seien unverändert: eine attraktive Prämie für die Aktionäre und ein Plan, der die Erfolgsfaktoren des Geschäftsmodells angemessen berücksichtigt.

Unicredit baut Einfluss sukzessive aus

Bis zum Ablauf der bisherigen Frist vom 5. Mai bis zum 16. Juni wurde das Tauschangebot für 12,51 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Italiener vor der Offerte hielten, würde der Anteil der Unicredit an Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank damit rechnerisch auf 39,28 Prozent steigen. Zudem hat das Mailänder Institut über Kaufoptionen Zugriff auf weitere mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien und hält weitere Finanzinstrumente, sodass der Anteil nach eigenen Angaben auf 42,50 Prozent kommt. „Dieser Prozentsatz steigt auf 43,33 Prozent, sobald die Commerzbank ihre eigenen Aktien zurückkauft, wozu sie sich verpflichtet hat“, rechnete die Unicredit vor. Nahezu den gesamten Bestand ihrer Commerzbank-Aktien und der Finanzinstrumente hat die Unicredit preislich abgesichert für den Fall eines möglichen Verkaufs.

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Vorwürfe der Marktmanipulation

Die Commerzbank wehrt sich seit fast zwei Jahren gegen das aus ihrer Sicht „feindliche“ Vorgehen von Unicredit-Chef Andrea Orcel und verdächtigt die italienische Großbank, ihre Aktienposition „künstlich aufzublähen“. Zur Klärung hat der Dax-Konzern die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Zudem stellte der Commerzbank-Gesamtbetriebsrat Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Die Unicredit wies die Vorwürfe wiederholt zurück und drohte jüngst indirekt mit dem Austausch der Commerzbank-Führungsspitze. Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre. Die Kritik der Commerzbank lenke vom wirtschaftlichen Sinn der Übernahme ab, argumentiert die Unicredit. In Deutschland ist das Institut bereits mit der Hypovereinsbank (HVB) aktiv und sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen.

Bund lehnt Übernahme ab

Der deutsche Staat, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die Unicredit wurde, hat jüngst erneut klargemacht, dass er seine restlichen gut zwölf Prozent nicht verkaufen wird. Das Übernahmeangebot enthalte „keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie“. Das „aggressive Vorgehen“ der Unicredit werde abgelehnt. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands und sei als bedeutender Arbeitgeber zudem zentral für den Finanzstandort Frankfurt, bekräftigte der Bund. „Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen.“

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