Die italienische Großbank UniCredit ist der feindlichen Übernahme der Commerzbank einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Doch den weiteren Fahrplan lässt das Mailänder Institut offen. In Frankfurt machen sich die ersten Mitarbeiter der Commerzbank offenbar schon auf alle möglichen Szenarien gefasst. Der Bankenkrimi zwischen den beiden Geldhäusern erlebt damit eine überraschende Pause – ausgerechnet um fünf vor zwölf.
UniCredit erhöht Druck auf Commerzbank
Nach Informationen aus Finanzkreisen hat die UniCredit in den vergangenen Tagen ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Damit rückt eine vollständige Übernahme des deutschen Kreditinstituts in greifbare Nähe. Die Mailänder Bank hatte bereits im vergangenen Jahr mit dem Einstieg bei der Commerzbank für Aufsehen gesorgt und seither kontinuierlich ihre Beteiligung erhöht. Branchenexperten sehen darin den Versuch, die Commerzbank gegen den Willen des Vorstands zu übernehmen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) muss als zuständige Aufsichtsbehörde ihr Plazet geben, falls die UniCredit die Mehrheit an der Commerzbank übernehmen will. Bisher hat die EZB keine Entscheidung getroffen. Die Unsicherheit über den Ausgang des Verfahrens belastet die Stimmung bei der Commerzbank. Ein Sprecher der Commerzbank wollte sich zu den jüngsten Entwicklungen nicht äußern.
Mitarbeiter in Frankfurt bereiten sich vor
In der Frankfurter Zentrale der Commerzbank herrscht angespannte Ruhe. Laut internen Quellen haben erste Abteilungen bereits Notfallpläne aktiviert. „Wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien vor, von einer freundlichen Fusion bis zu einer feindlichen Übernahme“, wird ein Mitarbeiter zitiert, der namentlich nicht genannt werden möchte. Besonders die Bereiche Risikomanagement und Compliance seien in erhöhter Alarmbereitschaft.
Die Commerzbank beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter, davon etwa 15.000 in Frankfurt. Eine Übernahme durch die UniCredit könnte zu erheblichen Stellenstreichungen führen, da es in vielen Bereichen Überschneidungen gibt. Analysten rechnen mit Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr, die vor allem durch den Abbau von Doppelfunktionen erzielt werden sollen.
Offener Fahrplan der UniCredit
Die UniCredit selbst hält sich bedeckt. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher lediglich, man prüfe weiterhin alle Optionen. Ein konkretes Angebot an die Aktionäre der Commerzbank liegt bislang nicht vor. Beobachter vermuten, dass die Mailänder Bank auf eine Entscheidung der EZB wartet, bevor sie weitere Schritte unternimmt.
Der Zeitpunkt der Übernahmepläne ist brisant: Die Commerzbank befindet sich mitten in einem Restrukturierungsprozess, der sie profitabler machen soll. Ein feindlicher Übernahmeversuch könnte diese Bemühungen gefährden. Gleichzeitig sehen viele Analysten in der Commerzbank ein attraktives Übernahmeziel, da sie über ein dichtes Filialnetz in Deutschland und eine starke Mittelstandskundenbasis verfügt.
Politische Implikationen
Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit hat auch politische Dimensionen. In Berlin gibt es Bedenken, dass ein wichtiger deutscher Finanzakteur unter italienische Kontrolle geraten könnte. Die Bundesregierung hat sich bisher zurückhaltend geäußert, betont aber die Bedeutung der Commerzbank für die deutsche Wirtschaft. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor massiven Arbeitsplatzverlusten und fordert eine genaue Prüfung der Übernahmepläne.
Der weitere Verlauf des Bankenkrimis bleibt spannend. Klar ist: Die Pause, die die UniCredit gerade einlegt, dürfte nur von kurzer Dauer sein. Sobald die EZB grünes Licht gibt, wird die Mailänder Bank voraussichtlich ein Übernahmeangebot vorlegen. Bis dahin heißt es für die Commerzbank-Mitarbeiter: abwarten und sich auf alles gefasst machen.



