Die KI-Euphorie an den Börsen bekommt einen heftigen Dämpfer. Ein weltweiter Ausverkauf bei Chip-Aktien hat am Donnerstagabend die Kurse massiv unter Druck gesetzt. Besonders Technologiewerte gerieten ins Rutschen und zogen die wichtigsten Aktienindizes mit nach unten. Der Chip-Hersteller-Index Philadelphia Semiconductor sackte um 4,3 Prozent ab. Selbst starke Geschäftszahlen der Produzenten konnten die Anleger nicht beruhigen. Der weltgrößte Chip-Produzent TSMC steigerte seinen Quartalsgewinn um satte 77 Prozent. Dennoch verloren die in den USA gehandelten Aktien 2,3 Prozent.
Chip-Aktien dominieren den Markt
Die Chip-Hersteller üben mittlerweile einen enormen Einfluss auf den Markt aus. Vor wenigen Jahren machten Halbleiterunternehmen nur rund fünf Prozent des S&P 500 aus – heute sind es bereits mehr als 20 Prozent. Fallen die Chip-Aktien, gerät deshalb schnell der gesamte Markt ins Wanken. An der Wall Street verlor der Technologieindex Nasdaq 1,5 Prozent. Auch der S&P 500 gab um einen halben Prozentpunkt nach. Der Dow Jones hielt sich mit einem Minus von 0,2 Prozent zumindest etwas besser. Viele Anleger sorgen mit Nasdaq und S&P 500 für ihr Alter vor.
Asiatische Börsen ebenfalls betroffen
Die Verluste blieben nicht auf die USA beschränkt. Am Freitag gerieten auch die asiatischen Börsen kräftig unter Druck. Der japanische Nikkei verlor zeitweise bis zu 3,6 Prozent. Besonders hart traf es Halbleiterwerte: Kioxia brach um über 16 Prozent ein, Taiyo Yuden verlor 15,5 Prozent. Auch der deutsche Aktienmarkt bekam die Nervosität zu spüren. Der DAX schloss am Donnerstag 0,3 Prozent tiefer bei 24.915 Punkten. CMC-Markets-Chefanalyst Andreas Lipkow spricht in der „Tagesschau“ von ersten Ermüdungserscheinungen an den Börsen. Nach dem Boom im ersten Halbjahr werde zunehmend hinterfragt, ob das starke Wachstum bei Halbleiter- und KI-Aktien tatsächlich ungebremst weitergehen kann.
Globale Auswirkungen und Ausblick
Die Börsen in Shanghai und Paris rauschten ebenfalls runter. Entgegen dem Trend konnte der britische Index FTSE 100 leicht zulegen. Die Analysten beobachten die Entwicklung genau. Es bleibt abzuwarten, ob der Ausverkauf eine kurzfristige Korrektur oder den Beginn einer längerfristigen Trendwende darstellt. Die Anleger sind verunsichert, ob die hohen Bewertungen der Tech-Aktien angesichts der geopolitischen Risiken und der konjunkturellen Unsicherheiten gerechtfertigt sind.



