Finanzprofessor: Ich würde heute nicht mehr in den MSCI World investieren
Finanzprofessor: Nicht mehr in MSCI World investieren

Der renommierte Finanzwissenschaftler Martin Weber, Verhaltensökonom und langjähriger Forscher zur optimalen Geldanlage, äußert sich kritisch zum aktuellen Börsenhype um Künstliche Intelligenz. Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt er, warum er heute nicht mehr in den MSCI World investieren würde und welche Parallelen er zwischen möglichen KI-Blasen und langen Schlangen vor hippen Berliner Restaurants sieht.

Keine Einzelaktien, aber Skepsis gegenüber dem Weltindex

Auf die Frage, welche KI-Aktien er zuletzt gekauft habe, antwortet Weber: „Überhaupt keine. Ich kaufe grundsätzlich keine Einzelaktien – und bin damit eigentlich sehr glücklich.“ Stattdessen setzt der Professor auf breite Streuung, etwa über einen weltweiten Index wie den MSCI World, in dem KI-Unternehmen automatisch enthalten sind. Doch genau dieser Index ist ihm inzwischen zu teuer geworden: „Ich würde heute nicht mehr in einen MSCI World investieren“, so Weber.

Die Begründung: Die hohe Konzentration auf wenige Technologiekonzerne, die von der KI-Euphorie profitieren, habe den Index in eine riskante Schieflage gebracht. Anleger, die breit gestreut sein wollen, müssten deshalb andere Wege finden.

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KI-Blasen und die Schlangen vor Berliner Restaurants

Weber zieht einen ungewöhnlichen Vergleich, um die aktuelle Marktlage zu erklären. Lange Schlangen vor angesagten Restaurants in Berlin signalisierten nicht unbedingt gute Qualität, sondern oft nur Hype und Nachahmung. Ähnlich verhalte es sich mit KI-Aktien: Viele Anleger springen auf den Zug auf, weil andere es tun, nicht weil die Fundamentaldaten überzeugen. Diese Herdenverhalten könne zu Blasen führen, die irgendwann platzen.

Der Experte betont, dass Verhaltensökonomie genau solche Muster untersucht: Menschen neigen dazu, Entscheidungen anderer zu imitieren, besonders in unsicheren Zeiten. Dies führe zu Überbewertungen und letztlich zu Korrekturen.

Was Anleger jetzt tun sollten

Statt in Einzeltitel oder den klassischen MSCI World zu investieren, empfiehlt Weber eine breitere Diversifikation, etwa über mehrere Indizes oder Anlageklassen. Er warnt davor, sich von kurzfristigen Trends blenden zu lassen und rät zu einem langfristigen, disziplinierten Ansatz.

Die Aussagen von Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim und einer der führenden Verhaltensökonomen Deutschlands, sind besonders relevant in Zeiten, in denen der KI-Hype die Börsen weltweit antreibt und viele Anleger hohe Renditen erwarten.

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