Ungarns AKW Paks: Nur wenige Millimeter vor Abschaltung
AKW Paks: Millimeter vor Abschaltung

Das Atomkraftwerk Paks in Ungarn, das etwa ein Drittel des Strombedarfs des Landes deckt, ist während der aktuellen Hitzewelle und der extrem niedrigen Donau-Pegelstände nur knapp einer vollständigen Abschaltung entgangen. Nach Angaben von Ministerpräsident Péter Magyar lag die letzte noch laufende Turbine am frühen Morgen nur noch wenige Millimeter vor dem Aus. Der Pegel der Donau war so stark gesunken, dass die Kühlwasserversorgung des Kraftwerks akut gefährdet war.

Kraftwerk nur noch im Minimalbetrieb

Das AKW Paks, rund 110 Kilometer südlich von Budapest gelegen, kann derzeit nur etwa zwölf Prozent seiner Nennleistung erbringen – das entspricht rund 240 Megawatt. „Morgens gegen halb zwei waren wir nur wenige Millimeter von der vollständigen Abschaltung entfernt“, erklärte Magyar. Inzwischen habe sich die Lage etwas entspannt: Der Wasserstand sei um 1,5 Zentimeter gestiegen, sodass die letzte Turbine unter sicheren Bedingungen weiterbetrieben werden könne. Zusätzlich entlasten Stromimporte aus dem Ausland die angespannte Versorgungslage.

Die massive Reduzierung der Stromproduktion hinterlässt jedoch deutliche Lücken. Bislang mussten keine Verbraucher abgeschaltet werden, doch die Lage bleibt kritisch. Regierungschef Magyar hatte bereits vor Tagen Wirtschaft und Bevölkerung dazu aufgerufen, den Stromverbrauch zu senken, insbesondere in den Abendstunden zwischen 17 und 22 Uhr, wenn die Nachfrage am höchsten ist.

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Land spart über 500 Megawatt

Viele Unternehmen haben ihre Energieintensität bereits reduziert, und auch private Haushalte sind aufgerufen, den Betrieb von Klimaanlagen, Waschmaschinen und anderen stromintensiven Geräten in die Nacht zu verlegen oder ganz zu verzichten. Nach Angaben Magyars vom Montagabend verbraucht das Land derzeit mehr als 500 Megawatt weniger als an einem normalen Sommertag. Diese Einsparungen tragen dazu bei, eine vollständige Abschaltung von Paks zu vermeiden.

Am vergangenen Wochenende hatte es noch so ausgesehen, als müsse das Kraftwerk wegen des Niedrigwassers vollständig heruntergefahren werden. Eine solche Komplettabschaltung wäre die erste seit der Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks im Jahr 1982 gewesen. Die aktuelle Situation ist eine der schwersten in der Geschichte des Kraftwerks.

Niedrigwasser trifft auch Rumänien

Auch in Rumänien bereiten die niedrigen Pegelstände Probleme. Am Atomkraftwerk Cernavodă musste ein Reaktor seine Leistung drosseln, und auch Wasserkraftwerke produzieren wegen der Dürre weniger Strom als üblich. Die rumänische Marine hat sogar einen Felsen in der Donau gesprengt, um mehr Wasser zum Kraftwerk zu leiten und die Kühlung zu sichern.

Entgegen anderslautender Berichte stellt der Autobauer Ford seine Produktion in Rumänien jedoch nicht wegen möglicher Stromengpässe ein. Ein Firmensprecher in Köln erklärte, die Produktionsunterbrechung sei auf die Sommerferien zurückzuführen. Er sprach von einem „Missverständnis“ im Zusammenhang mit Aussagen von Rumäniens Ministerpräsident Ilie Bolojan, der nach einem Krisentreffen mit Großverbrauchern erklärt hatte, dass Autobauer wie Ford ihre Produktion wegen der Energiekrise unterbrechen würden.

BMW-Werk in Debrecen nutzt Solarstrom

Im BMW-Werk im ungarischen Debrecen läuft die Produktion derweil planmäßig weiter. Der Autokonzern mit Hauptsitz in München betont, man leiste „einen unmittelbaren Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Energiesituation“. Auf dem 50 Hektar großen Werksgelände befindet sich eine Photovoltaikanlage, die an einem Sommertag bis zu 250 Megawattstunden Solarstrom erzeugen kann. „Damit kann das Werk während eines Sommertages tagsüber nahezu vollständig mit am Standort erzeugter erneuerbarer Energie versorgt werden“, so das Unternehmen. Durch Einsparungen habe das Werk seinen Energieverbrauch seit Freitag um mehr als zehn Prozent gesenkt.

Die Energiekrise in Osteuropa könnte auch die EU-Kommission auf den Plan rufen. Eine Sprecherin erklärte gegenüber Euronews, man sei bereit, „eine Ad-hoc-Sitzung der Electricity Coordination Group einzuberufen“, um die Zusammenarbeit der betroffenen Länder zu koordinieren. Die Gruppe soll Maßnahmen abstimmen, um die Stromversorgung in der Region zu stabilisieren.

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