Abwehr-Routinier Torge Paetow (30) muss sich beim Drittligisten Preußen Münster auch zum Auftakt der neuen Saison gedulden. Beim Liga-Start am Samstag, 8. August, bei Wehen Wiesbaden (14 Uhr) wird der Innenverteidiger voraussichtlich nur auf der Ersatzbank sitzen. In den letzten beiden Testspielen gegen Hannover 96 und den FC Southampton stand er jeweils nur in der B-Elf. Doch der gebürtige Holsteiner lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
Paetow: „Ich nehme es, wie es kommt“
„Natürlich würde ich gern in der Startelf sein. Dafür habe ich in der Vorbereitung schließlich alles gegeben“, sagt Paetow offen. Doch er fügt sofort hinzu: „Aber ich nehme es, wie es kommt. Und werde deshalb garantiert nicht den Kopf hängen lassen.“ Genau diese Einstellung macht ihn so wertvoll für das Team. Immer positiv, immer ein „Weiter geht’s“ auf den Lippen. Für ihn zählt unterm Strich stets die Mannschaft mehr als das eigene Ego.
Diese Haltung lebt der gebürtige Holsteiner aus Heide Tag für Tag im Training und in der Kabine vor. Er ist ein Typ, an dem sich gerade die jungen Spieler orientieren können – und sollen. Kein Zufall, dass er in den Partien der B-Formation jeweils die Kapitänsbinde trug und als einziger im Preußen-Trikot älter als 23 Jahre war.
Der „Kindergarten-Cop“ als Führungsfigur
Paetow sieht sich selbst in der Rolle des Mentors für die Nachwuchsspieler wie Leon Tasov und Michel Scharlau. „Ich habe einen guten Draht zu den Jungs und fühle mich auch ein Stück weit verantwortlich für sie“, erklärt er. „Ich hoffe, dass ich ihnen so einige wichtige Werte vermitteln kann.“ Seine größte Stärke neben seinen berüchtigten Monster-Einwürfen – keiner schleudert die Kugel weiter als er – ist aber seine Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen und sie als zusätzlichen Ansporn zu sehen. Gerade im schnelllebigen Fußballgeschäft ist das eine seltene Tugend.
Ein Beispiel aus dem vergangenen Sommer zeigt, wie sehr Paetow diese Mentalität verinnerlicht hat. Ex-Coach Alexander Ende (46) hatte ihm damals mehrfach nahegelegt, sich nach einem neuen Verein umzusehen, da er ihm nur geringe Einsatzzeiten in Aussicht stellen könne. Da sich keine passende Alternative fand, blieb Paetow, dessen Vertrag bis 2027 läuft, bei den Preußen. Er haute sich weiterhin voll in jedes Training rein, verbreitete Zuversicht und gute Stimmung. Die Folge: Schon nach wenigen Wochen war er wieder der erste „Einwechsler“ und kam am Ende immerhin auf 19 Zweitliga-Einsätze.
Abstieg abgehakt, Blick nach vorn
Auch den bitteren Abstieg aus der 2. Bundesliga hat Paetow, der 2024 vom SC Verl an die Hammer Straße kam, längst abgehakt. „Klar war der unnötig und tat weh“, gibt er unumwunden zu. „Aber jetzt freue ich mich einfach auf die spannende Herausforderung in der 3. Liga.“ Er spürt ein gutes Gefühl bei der neuen Adler-Truppe: „Ich glaube, wir verfügen über eine prima Mischung aus erfahrenen Spielern und vielversprechenden Talenten, die alle hungrig sind. Da kann sich echt etwas entwickeln.“
Von einem direkten Wiederaufstieg will Paetow, anders als Mitabsteiger und Topfavorit Fortuna Düsseldorf, gar nicht erst reden. Vielmehr begrüßt er es, dass nicht dieser volle Erwartungsdruck auf den Münsteranern lastet. Trotzdem ist er sicher: „Wir werden garantiert eine ordentliche Rolle mitspielen.“
Schenk vor Wechsel – Leihgeschäft geplant
Unterdessen bahnt sich beim bisherigen Stammtorhüter Johannes Schenk (23) ein Wechsel an. Am Dienstag fehlte „Jojo“ beim Training, weil er zu Verhandlungen unterwegs war. Angedacht ist ein Leihgeschäft, nachdem Schenk die Nummer 1 an Morten Behrens (29) abtreten musste. Schenk besitzt bei den Preußen noch einen Vertrag bis 2028, was bedeutet, dass er auch im nächsten Sommer noch gut zu verkaufen ist – erst recht, wenn er zwischenzeitlich für seinen neuen Klub starke Leistungen zeigt.



