Allianz-Chef Oliver Bäte hat im Handelsblatt-Interview vorgeschlagen, neben der klassischen Umlagefinanzierung eine Kapitaldeckung für die Gesundheitsversorgung einzuführen. Dieser Vorstoß könnte einen Paradigmenwechsel in der deutschen Sozialpolitik einleiten. Bäte argumentiert, dass das bestehende System aus Umlageverfahren, Bundeszuschüssen und steigenden Sozialbeiträgen langfristig nicht mehr tragfähig sei.
Schweden und USA als Vorbilder
Schweden setzt bereits seit drei Jahrzehnten auf kapitalgedeckte Renten, während in den USA Pensionsfonds das zentrale Vorsorgemodell bilden. Deutschland zieht nun nach und plant, verstärkt in Aktien zu investieren, um Kapital für das Alter aufzubauen. Die Erkenntnis setzt sich durch, dass das Umlageverfahren allein die Sozialsysteme nicht mehr finanzieren kann.
Bätes Vorschlag für das Gesundheitssystem
Bäte schlägt vor, auch in der Gesundheitsversorgung eine Kapitaldeckung zu etablieren. Dies hätte zwei entscheidende Vorteile: Erstens biete es eine Antwort auf die demografische Entwicklung und die explodierenden Gesundheitskosten. Zweitens fördere es die unterentwickelte Aktienkultur in Deutschland. „Die Deutschen haben über Jahrzehnte Rendite liegen lassen“, so Bäte. Summen, die nicht nur die Sozialsysteme von Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen finanzieren, sondern auch US-Eliteuniversitäten.
Politische Unterstützung
Die Kapitaldeckung, die Kanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas anstreben, steht in Deutschland vor dem Durchbruch. Bätes Vorschlag könnte der erste Schritt zu einer umfassenderen Neuausrichtung sein. Der Versicherungschef mag dabei auch an das eigene Geschäft denken, doch die Überlegung hat aus Sicht vieler Experten bestechende Vorteile.
Auswirkungen auf die Aktienkultur
Eine stärkere Kapitaldeckung würde die Aktienkultur in Deutschland fördern, die im internationalen Vergleich schwach ausgeprägt ist. Bäte betont, dass dies nicht nur den Sozialsystemen zugutekomme, sondern auch langfristig die Wirtschaft stärken könne. Die Diskussion um die Kapitaldeckung gewinnt damit an Fahrt und könnte weitreichende Reformen nach sich ziehen.



