Das Energieunternehmen EnviaM hält den Gaspreis für seine Bestandskunden trotz der Krise im Nahen Osten und gestiegener Börsenpreise vorerst stabil. „Wir werden die Preise so gut es geht und so lange wie möglich stabil halten“, sagte Vertriebsvorstand Wolfgang Wirtnik. Das Gas werde bis zu drei Jahre im Voraus eingekauft, um sich gegen Preissprünge abzusichern.
Neukunden zahlen mehr
Anders sieht es bei Neukunden aus, für die Gas kurzfristig neu beschafft werden muss. Sie müssten derzeit mit 10 bis 15 Prozent höheren Preisen rechnen, erklärte Wirtnik. Seit dem Krieg im Iran sind die Gaspreise an der Börse deutlich gestiegen.
EnviaM beliefert 1,1 Millionen Kunden
EnviaM beliefert rund 1,1 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Strom, Gas, Wärme und schnellem Internet. Im Jahr 2025 wurde deutlich mehr Gas abgesetzt: 8.450 Gigawattstunden (2024: 7.300 GWh). Bei Strom ging die Menge dagegen deutlich zurück von 7.803 auf 6.717 Gigawattstunden. Laut Vorstandschef Stephan Lowis lag das vor allem am Weiterverkauf von Strom an Weiterverteiler wie Stadtwerke.
Anschlussboom im Stromnetz
Insgesamt gebe es im Stromnetz im EnviaM-Gebiet einen „Anschlussboom“, sagte Lowis. Täglich gingen bei der Tochter Mitnetz mehr als 100 Anfragen zu Netzanschlüssen ein – so viele wie vor einigen Jahren (2018/2019) pro Monat. „Das reicht von kleinen Photovoltaikanlagen auf dem Dach bis zu großen Rechenzentren.“
Großverbraucher und Rechenzentren
So gebe es etliche Anfragen von Großverbrauchern etwa für Rechenzentren und Industrieanlagen. Konkret nannte Lowis die Neuansiedlung von zwei großen Datenzentren von Amazon und der Schwarz-Gruppe. Zu vier weiteren Großprojekten gebe es konkrete Verhandlungen ebenso wie zu neuen Anschlüssen von Großkunden und Industriegebieten. Ein wichtiges Plus sei dabei die hohe Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie. Im Netzgebiet wird deutlich mehr grüner Strom eingespeist als verbraucht. Lowis: „Das ist ein klarer Standortvorteil.“
EnviaM erzeugt selbst Strom
EnviaM erzeugt auch selbst Strom. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) stammen dabei inzwischen aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Wind und Sonne. Anders sieht es bei der Wärmeversorgung aus – hier hinkt der Umstieg mit einem Anteil von gerade einmal 18 Prozent deutlich hinterher.
Netzbetreiber investiert und wappnet sich
Damit die Energienetze mit den wachsenden Ansprüchen und der fortschreitenden Digitalisierung Schritt halten, wird auch in den kommenden Jahren kräftig investiert – allein in diesem Jahr rund 600 Millionen Euro. Zugleich wappnet sich die Unternehmensgruppe für vielfältige Bedrohungen. Dass Energienetze Ziel von Angriffen sein können, hatten mutmaßlich linksextremistische Brandanschläge im September und im Januar in Berlin gezeigt. Davon waren jeweils Zehntausende Haushalte teils über mehrere Tage hinweg betroffen. „Wir bereiten uns auf alles vor“, betonte IT-Vorständin Sigrid Nagl. Dabei gehe es vor allem um den Schutz neuralgischer Punkte im Netz.



