Der Euref-Campus in Berlin-Schöneberg hat seinen Austritt aus dem Netzwerk „Berliner Zukunftsorte“ erklärt. Grund ist ein eskalierter Streit über die Geschwindigkeit beim Klimaschutz. Das teilte Campus-Chef Reinhard Müller am Montag mit.
Klimaschutz als Zankapfel
Müller kritisierte, dass die anderen Standorte des Netzwerks zu zögerlich beim Klimaschutz seien. „Wir können nicht länger Teil eines Bündnisses sein, das beim Klimaschutz auf die Bremse tritt“, sagte Müller. Der Euref-Campus setze auf eine CO₂-neutrale Energieversorgung und nachhaltige Mobilität. Diese Ziele würden von den Partnern nicht ausreichend mitgetragen.
Das Netzwerk „Berliner Zukunftsorte“ umfasst elf Standorte, an denen Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam an Lösungen für drängende Probleme arbeiten. Es wurde 2021 vom Berliner Senat ins Leben gerufen. Ziel ist es, Innovationen in den Bereichen Energie, Mobilität und Digitalisierung voranzutreiben.
Auswirkungen auf das Netzwerk
Der Austritt des Euref-Campus ist ein herber Rückschlag für das Netzwerk. Der Campus gilt als Vorreiter beim Klimaschutz und bringt viel Expertise ein. „Wir bedauern die Entscheidung sehr“, sagte ein Sprecher der Senatswirtschaftsverwaltung. Man werde nun Gespräche führen, um das Netzwerk zu stabilisieren.
Der Euref-Campus hatte erst im vergangenen Jahr ein neues Hochhaus im Skelett des alten Gasometers eröffnet. Das Gebäude gilt als architektonisches Wahrzeichen und beherbergt zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Müller betonte, dass der Campus auch ohne das Netzwerk seine Klimaziele weiterverfolgen werde.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Die Berliner Grünen zeigten Verständnis für den Schritt. „Der Euref-Campus hat recht, wenn er mehr Tempo beim Klimaschutz fordert“, sagte Fraktionschef Werner Graf. Die CDU kritisierte dagegen den Austritt als „überzogen“. Man müsse gemeinsam an Lösungen arbeiten, statt sich zurückzuziehen.
Wirtschaftsverbände mahnten zur Besonnenheit. „Das Netzwerk ist wichtig für den Innovationsstandort Berlin“, sagte ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Man hoffe auf eine schnelle Einigung.
Ob der Euref-Campus zu einer Rückkehr bewegt werden kann, ist offen. Müller stellte klar: „Wir sind bereit, wieder mitzumachen, wenn die anderen Standorte ihre Klimaziele verschärfen.“ Bis dahin werde man allein weitermachen.



