Extremwetter treibt Kakao-, Kaffee- und Orangensaftpreise im Juni in die Höhe
Extremwetter treibt Rohstoffpreise im Juni in die Höhe

Der Rohstoffmarkt hat sich im Juni deutlich beruhigt. Der wichtigste Rohstoffindex, der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), gab um mehr als zehn Prozent nach. Das liegt vor allem an den Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Eine Rohstoffgruppe verzeichnete im Juni dennoch hohe Preissprünge – und das hat vor allem mit dem Wetter zu tun. Die Auswertung zeigt die Gewinner und Verlierer des Monats.

Gewinner des Monats: Kakao

Der Kakaopreis ist im Juni um mehr als 28 Prozent gestiegen, so viel wie kein anderer Rohstoff in diesem Zeitraum. Im größten Anbauland, der Elfenbeinküste, könnte die Produktion in der kommenden Saison um etwa ein Fünftel zurückgehen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Schon jetzt bleibt die Anzahl der Schoten an den Bäumen hinter den Erwartungen zurück.

Doch die Produktionsaussichten könnten sich noch weiter verschlechtern. Die ohnehin extremen Wetterbedingungen, unter denen Produzenten in Westafrika leiden, könnten sich intensivieren – falls das Wetterphänomen „El Niño“ eintritt. Bei El Niño erwärmt sich das Wasser im Pazifik ungewöhnlich stark. Alle zwei bis sieben Jahre belegen Meteorologen das Phänomen, das sich weltweit auf Wetter und Klima auswirkt. Die Folge sind Extremwetterereignisse: starke Hitze, Dürren, aber auch Starkregen.

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Laut der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) der Vereinigten Staaten hat sich das Wetterphänomen in diesem Jahr bereits gebildet, schreibt Commerzbank-Analyst Norman Liebke. In den kommenden Wochen und Monaten könne es sich sogar zu einem „Super-El-Niño“-Ereignis verstärken, das von noch stärkerem Extremwetter gekennzeichnet sei.

Commerzbank-Analystin Thu Lan Ngyuen schreibt, sowohl im Zuge des letzten El-Niño-Phänomens in der Saison 2023/24 als auch beim letzten Super-El-Niño 2015/16 sei der Kakaopreis stark gestiegen. Erst habe es starke Regenfälle gegeben, dann eine Dürre in Westafrika.

Preisanstieg beim Kaffee

Zudem seien auch die Kaffeepreise während des letzten El Niños gestiegen, berichtet Ngyuen. Grund dafür sei eine massive Trockenheit in Südostasien gewesen, was vor allem den Robusta-Bohnen-Produzenten Vietnam hart getroffen habe. So verwundert es kaum, dass wegen der Sorgen vor El Niño auch der Kaffeepreis im Juni deutlich gestiegen ist: um mehr als 19 Prozent. Dabei stand jedoch die Bohnensorte Arabica im Blickpunkt, die vor allem in Brasilien angebaut wird.

Die Preiswirkung erfolgt indirekt, denn auf die Bohnen der Sorte Arabica könnte sich El Niño durch vorteilhafte Regenfälle in Brasilien sogar positiv auswirken, schreibt Commerzbank-Experte Liebke. Allerdings führt ein knapperes Robusta-Angebot in der Regel dazu, dass bei Arabica-Bohnen ebenfalls die Preise anziehen. Hinzu kommt, dass auch die brasilianischen Produzenten nicht ohne Sorge auf die bevorstehende Ernte blicken. Denn diese hat sich durch das bislang schlechte Wetter verzögert, wie Bloomberg berichtet. Somit sinken die Lagerbestände an den Terminbörsen, sie liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit 2023.

Zudem halten sich brasilianische Landwirte derzeit mit Verkäufen zurück, wie Bloomberg berichtet. Sie gehen davon aus, dass die Preise steigen werden, und bereiten sich auf mögliche Auswirkungen des diesjährigen El-Niños vor.

Schwache Ernte: Orangensaftpreise steigen

Um mehr als 15 Prozent sind die Orangensaftpreise im Juni gestiegen. Somit belegt auch den dritten Platz ein Agrarrohstoff – ebenfalls aus klimatischen Gründen. Bei Orangen rechnen Experten mit einer schwachen Ernte in Brasilien, dem Hauptproduktionsland. Laut einer Analyse der Rabobank wird für die kommende Saison ein Produktionsrückgang um 13 Prozent erwartet.

Verursacht werden die schlechten Ernteerträge allerdings nicht nur wetterbedingt, sondern auch durch die weitere Ausbreitung der Zitrusfrüchtekrankheit Greening. Sie sorgt dafür, dass die Orangen bitter werden. Die Experten der Rabobank gehen davon aus, dass der Orangenverbrauch nun weiter zurückgehen dürfte – um drei Prozent. Bereits im Jahr 2024 übten sich die Verbraucher angesichts deutlich gestiegener Orangensaftpreise in Zurückhaltung. Konsumenten ist der Saft inzwischen zu teuer. So dürften die Preisanstiege von der schwachen Nachfrage begrenzt werden.

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Verlierer des Monats: US-Öl

Am stärksten zurückgegangen ist im Juni der Preis der US-Schieferölsorte WTI: um fast 25 Prozent. Doch die Nordseesorte Brent ist mit minus 23 Prozent fast ebenso stark gesunken. Der Markt reagiert erleichtert auf die Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA, die mit einer Öffnung der Straße von Hormus einhergehen. Der Iran nutzt die Meerenge allerdings weiterhin als geopolitischen Hebel, etwa wenn Israel den Libanon attackiert oder die Verhandlungen mit den USA nicht so laufen wie geplant.

Dennoch: Die Ölpreise sind fast wieder auf Vorkriegsniveau. Experten rechnen mit einem sogenannten „Ketchupeffekt“: Große Mengen Öl, die sich auf Tankern befanden, steckten monatelang in der Straße von Hormus fest. Nun aber gelangen sie mit einem Mal auf den Markt – ähnlich wie bei einer Ketchupflasche, aus der nichts herauskommt, bis man sie schüttelt und viel zu viel auf dem Teller landet. UBS-Analyst Giovanni Staunovo sprach zuletzt im Handelsblatt-Interview von einer „Angebotswelle, die auf uns zukommt“. Etwa 70 Millionen Barrel Öl seien seit der Öffnung der Straße von Hormus auf den Markt gelangt, zeitnah könnte die gleiche Menge nochmals zum Verkauf anstehen.

Die Energiekrise ist damit aber noch nicht beendet: Denn entscheidend ist, wie viele Schiffe sich im Anschluss wieder in die Straße von Hormus hineinwagen. Bislang reagieren die Reedereien noch höchst vorsichtig.