HVO 100: Erfahrungen mit dem neuen günstigeren Diesel
HVO 100: Erfahrungen mit dem günstigeren Diesel

HVO 100 ist mittlerweile an über 400 Tankstellen in Deutschland erhältlich und wird dort häufig zehn Cent pro Liter günstiger angeboten als herkömmlicher Diesel. Der alternative Kraftstoff, der aus pflanzlichen Ölen und Abfallfetten hergestellt wird, verspricht eine CO2-Einsparung von bis zu 90 Prozent – allerdings nur, wenn das Fahrzeug vom Hersteller für die Nutzung freigegeben wurde.

Was ist HVO 100?

HVO 100 (Hydrotreated Vegetable Oil) ist ein paraffinischer Dieselkraftstoff, der durch hydrierende Verarbeitung von Pflanzenölen oder tierischen Fetten entsteht. Im Gegensatz zu Biodiesel (FAME) ist er chemisch rein und enthält keinen Sauerstoff, wodurch er sauberer verbrennt. Laut ADAC entspricht HVO 100 der Norm DIN EN 15940 und kann in modernen Dieselmotoren eingesetzt werden, sofern der Hersteller eine Freigabe erteilt hat.

Warum ist HVO 100 günstiger als fossiler Diesel?

Der Preisvorteil ergibt sich aus mehreren Faktoren. Zum einen werden für die Herstellung häufig Reststoffe wie Altspeiseöl oder Schlachtabfälle verwendet, die deutlich günstiger sind als Rohöl. Zum anderen unterliegt HVO 100 in Deutschland einer geringeren Besteuerung im Rahmen der Biokraftstoffquote. Diese Ersparnis geben viele Tankstellen an ihre Kunden weiter. ADAC-Untersuchungen zeigen, dass der Preis pro Liter zeitweise bis zu zehn Cent unter dem Preis für herkömmlichen Diesel liegen kann – ein entscheidender Vorteil angesichts der gestiegenen Kraftstoffpreise.

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Erfahrungen aus dem Alltag: Motor und Verbrauch

Erste Erfahrungsberichte von Autofahrern und Tests des ADAC zeigen, dass sich HVO 100 im Alltag kaum von fossilem Diesel unterscheidet. Der Verbrauch ist nahezu identisch, die Motorleistung bleibt stabil und das Startverhalten ist auch bei niedrigen Temperaturen unproblematisch, sofern eine geeignete Winterqualität getankt wird. Einige Nutzer berichten in Foren von einem angenehmeren Abgasgeruch, da HVO 100 weniger Schwefel und Aromaten enthält. Auch das Motorgeräusch wird von vielen als leiser und gleichmäßiger beschrieben. Wer auf Langstrecken unterwegs ist, merkt den Unterschied kaum – lediglich der Preis an der Tankstelle ist ein spürbarer Pluspunkt.

Kompatibilität: Nicht jeder Diesel ist geeignet

Der wichtigste Schritt vor dem ersten Tanken ist die Prüfung der Fahrzeugfreigabe. Viele aktuelle Modelle von Audi, BMW, Mercedes, Volkswagen und Volvo sind bereits für HVO 100 zugelassen, aber nicht alle. Der ADAC rät: „Bevor man HVO 100 tankt, sollte man unbedingt prüfen, ob der Hersteller den Kraftstoff für das jeweilige Fahrzeug freigegeben hat. Andernfalls riskiert man Schäden am Einspritzsystem oder verliert Garantieansprüche.“ Offizielle Freigabelisten stellen die Automobilhersteller sowie der Verband der Automobilindustrie (VDA) bereit. Die Listen werden regelmäßig aktualisiert, daher lohnt sich ein Blick auf die Webseiten der Hersteller.

Umweltbilanz: Wie nachhaltig ist HVO 100 wirklich?

Laut Umweltbundesamt kann HVO 100 die Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Diesel um bis zu 90 Prozent reduzieren. Der Grund liegt im geschlossenen Kohlenstoffkreislauf: Pflanzen nehmen beim Wachstum CO2 auf, das bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Ein weiterer Vorteil: Bei der Verbrennung entstehen weniger Stickoxide und Feinstaub, was die Luftqualität in Städten verbessern kann. Kritiker warnen jedoch davor, dass der Anbau von Ölpflanzen für die Kraftstoffproduktion in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen kann. Aus diesem Grund setzen Hersteller zunehmend auf Abfallstoffe, sodass die Nachhaltigkeitsbilanz von HVO 100 stark von der Rohstoffbasis abhängt.

Wo kann man HVO 100 tanken?

Die Verfügbarkeit wächst stetig. Während im Sommer 2024 nach ADAC-Auswertung bereits mehr als 400 Tankstellen HVO 100 anboten, sind es inzwischen mehrere Hundert weitere. Besonders gut ausgebaut ist das Netz in Süddeutschland und entlang der Autobahnen. Große Ketten wie Shell, Aral und TotalEnergies integrieren den Kraftstoff schrittweise in ihr Sortiment, jedoch nicht an allen Standorten. Der Bundesverband der Tankstellen (bft) bietet auf seiner Webseite eine interaktive Karte an, die HVO-100-Tankstellen in der Nähe anzeigt. Autofahrer sollten vor längeren Fahrten planen, wo sie tanken können, da das Netz noch nicht flächendeckend ist.

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Zukunftsperspektiven: Wird HVO 100 zum Standard?

Die Nachfrage nach erneuerbaren Kraftstoffen nimmt zu, und die Mineralölkonzerne reagieren mit einem Ausbau ihres Angebots. Branchenexperten rechnen damit, dass HVO 100 bis 2030 an mindestens der Hälfte aller Tankstellen in Deutschland erhältlich sein könnte, sofern die politischen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Dabei sieht der Gesetzgeber vor, den Anteil erneuerbarer Kraftstoffe im Verkehrssektor kontinuierlich zu erhöhen. HVO 100 bietet Autofahrern bereits heute eine praktikable Möglichkeit, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren, ohne auf ein Elektroauto umsteigen zu müssen. Allerdings bleibt die Freigabe durch den Fahrzeughersteller der entscheidende Faktor – und die gilt es vor jedem Tankvorgang zu beachten.