Ifo-Chef Fuest warnt: Globale Ölreserven könnten bereits im Sommer erschöpft sein
Ifo-Chef: Ölreserven könnten schon im Sommer verbraucht sein

Ifo-Präsident warnt vor zu früher Freigabe der strategischen Ölreserven

Die internationale strategische Ölreserve könnte nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest bereits im Sommer vollständig verbraucht sein, falls der Iran-Krieg länger andauert und weitere Freigaben erfolgen. Der renommierte Ökonom äußerte diese Warnung in Berlin und plädierte für einen vorsichtigen Umgang mit den knappen Reserven.

Reserven für maximal drei Monate bei Lieferausfällen

Fuest betonte: „Wenn aufgrund des Krieges 25 Prozent des üblichen Ölangebots nicht mehr verfügbar sind und die strategisch wichtige Straße von Hormus geschlossen wird, dann haben wir weltweit nur für etwa drei Monate strategische Ölreserven.“ Diese begrenzte Kapazität müsse sorgsam eingesetzt werden, da unklar sei, ob der Konflikt weiter eskalieren oder noch monatelang andauern könnte.

Der Ifo-Chef stellte kritisch in Frage, ob der aktuelle Zeitpunkt bereits richtig sei, um die Reserven freizugeben: „Da wir nicht wissen, ob dieser Krieg nicht noch eskaliert und nicht vielleicht sogar noch Monate andauert, kann man durchaus fragen, ob das jetzt schon richtig ist, die Reserven so früh freizugeben.“

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Internationale Energieagentur gibt 400 Millionen Barrel frei

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte am Mittwoch angekündigt, insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl freizugeben, um den starken Preisanstieg bei Öl und Gas zu dämpfen. Diese Menge entspricht etwa einem Drittel der von 32 Staaten – einschließlich Deutschland – gelagerten strategischen Ölreserven von 1,2 Milliarden Barrel.

Hinzu kommen weitere 600 Millionen Barrel, die von der Industrie vorgehalten werden und zu deren Freigabe Unternehmen verpflichtet werden können. Fuest wies jedoch darauf hin, dass die Ölreserven nicht dazu bestimmt seien, dauerhafte Lieferausfälle zu kompensieren.

Deutschland mit überdurchschnittlichen Spritpreisen

Eine aktuelle Analyse des Ifo-Instituts zeigt, dass die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland deutlich schneller gestiegen sind als in den Nachbarländern Polen, Frankreich, Tschechien und Österreich. Diese Entwicklung hatte zuvor bereits die Monopolkommission festgestellt.

Fuest erklärte: „Was schon auffällig ist, ist, dass der Preis an der Zapfsäule so gestiegen ist, wie es eigentlich durch die Rohölverteuerung allein nicht zu rechtfertigen ist.“ Seit Beginn des Jahres habe sich eine Preisdifferenz von etwa 20 Cent pro Liter zu den Nachbarländern aufgetan.

Wettbewerbsprobleme auf Raffinerie-Ebene vermutet

Der Ifo-Präsident vermutet, dass die Wettbewerbsprobleme weniger auf der Ebene der Tankstellen, sondern eher bei den Raffinerien liegen: „Weil es eben ein oligopolistischer Markt ist, und da muss das Kartellamt genau hinschauen.“ In einem Oligopol beherrschen einige wenige Unternehmen den Markt und können entsprechend die Preise festsetzen.

Fuest betonte jedoch, dass der aktuelle Energiepreisanstieg zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht die ganz großen Probleme verursache. Dennoch mahnte er zur Vorsicht und Sparsamkeit im Umgang mit den begrenzten Ressourcen, insbesondere angesichts der unsicheren geopolitischen Lage.

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