Angetrieben von der starken Nachfrage nach Halbleitern durch den KI-Boom gehen Taiwans Exporteure mit vollen Auftragsbüchern in die zweite Jahreshälfte. Die Exportaufträge stiegen im Juni überraschend kräftig um 59,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 95,26 Milliarden Dollar, wie das Wirtschaftsministerium in Taipeh mitteilte. Das war der 17. monatliche Anstieg in Folge und übertraf die bereits hoch gesteckten Erwartungen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten ein Plus von 49,5 Prozent vorhergesagt.
KI-Nachfrage als Treiber des Exportwachstums
Grund für den starken Zuwachs war dem Ministerium zufolge die robuste Nachfrage nach Anwendungen für Künstliche Intelligenz (KI), Hochleistungsrechner und Cloud-Dienste. Besonders stark legten die Bestellungen für Telekommunikationsprodukte mit einem Plus von 81,9 Prozent zu. Die Aufträge für Elektronikprodukte wuchsen mit 79,9 Prozent ähnlich stark. Die Auftragseingänge bei taiwanischen Firmen wie dem weltgrößten Chip-Auftragsfertiger TSMC gelten als wichtiger Frühindikator für die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten.
Regionale Unterschiede und Ausblick
Regional betrachtet schnellten die Bestellungen aus den USA um 83,6 Prozent in die Höhe. Die Aufträge aus Europa stiegen um 53,9 Prozent, die aus China um 37,2 Prozent und die aus Japan um 37,9 Prozent. Als Unsicherheitsfaktoren für das weitere Wachstum nannte das Ministerium geopolitische Risiken und die globale Handelspolitik. Für den Juli rechnet das Ministerium mit einem weiteren Anstieg der Exportaufträge um 54,5 bis 57,8 Prozent im Jahresvergleich.
Stärkstes Wirtschaftswachstum seit 16 Jahren erwartet
Taiwan steht durch den KI-Boom vor dem stärksten Wachstum seit 16 Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt werde 2026 voraussichtlich um 9,64 Prozent höher ausfallen als ein Jahr zuvor, sagte die staatliche Statistikbehörde kürzlich voraus. Ein stärkeres Wachstum wurde zuletzt 2010 mit 10,25 Prozent verzeichnet, als es nach der weltweiten Finanzkrise zu einer Erholung kam.



