Die anhaltende Trockenheit und Hitze haben in Deutschland zu einem ungewöhnlich frühen Niedrigwasser in Flüssen geführt. Nach Angaben des Informationssystems Niwis ist vor allem die Donau betroffen: Bei 77 Prozent ihres Laufs wird ein sehr oder extrem niedriger Pegelstand verzeichnet. Am Rhein sind es rund 42 Prozent. Die Messstellen melden Negativrekorde beim Wasserstand, wie zuletzt in Köln mit 67 Zentimetern.
Wasserstraßen als kritische Infrastruktur
Die rund 7300 Kilometer langen Bundeswasserstraßen sind eine wichtige Infrastruktur für Industrie, Bauwirtschaft und Tourismus. „An der Binnenschifffahrt hängen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Versorgungssicherheit ganzer Industrieregionen“, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). 6,5 Prozent der gesamten Gütertransporte werden über Wasserwege geführt, insbesondere Massengüter wie Erze, chemische Grundstoffe, Kohle, Treibstoff und Baustoffe.
Betroffene Branchen und wirtschaftlicher Schaden
Chemieunternehmen wie BASF haben aus der Niedrigwasserphase 2018 gelernt und vorgesorgt, doch die Lieferketten sind geschwächt. Kähne können nicht voll beladen werden oder müssen ganz ausfallen. Die Frachtraten haben sich nach Expertenangaben bereits verdreifacht. Auch der Tourismus leidet: Flusskreuzfahrten werden abgesagt, was Gastronomie und Hotellerie trifft. Ökonomen beziffern den Schaden für die Wirtschaft auf bis zu zwei Milliarden Euro.
Arbeitsplätze und Infrastrukturrisiken
Die Binnenschifffahrt sichert rund 13.000 Arbeitsplätze, weitere 10.000 Beschäftigte verdienen ihr Geld rund um Flusskreuzfahrten. Viele Wasserstraßen sind in schlechtem Zustand: „Von 617 erfassten Wehren und Schleusen sind 205 älter als 100 Jahre“, stellen die DIW-Forscher fest. „Der gegenwärtige Investitionsstau erhöht das Risiko langfristiger Infrastrukturausfälle.“ Ein Ausfall des westdeutschen Kanalsystems würde gut 100.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt betreffen, ebenso viele am Neckar und am Elbe-Seitenkanal.
Keine Alternative auf der Straße
Ein Wechsel auf die Straße ist nur begrenzt möglich, da nicht genügend Lkw für schwere Massengüter bereitstehen. Diese machen 70 Prozent der Wassertransporte aus. Ein Schiff kann bis zu 3000 Tonnen laden, wofür 150 Lkw nötig wären.
Preisrisiken für Verbraucher
Zunächst haben nur Unternehmen höhere Kosten, doch bei Engpässen könnten auch Endverbraucher betroffen sein. Baustoffe und Treibstoffe könnten teurer werden, etwa Benzin im Süden, wenn weniger Sprit angeliefert wird.
Taskforce und politische Forderungen
Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) drängt auf eine Taskforce bei der für Donnerstag geplanten Sonder-Verkehrsministerkonferenz. Er fordert Maßnahmen für eine bessere Transportlage und eine Vertiefung der Fahrspuren am Rhein, wofür der Bund Geld bereitstellen müsse.



