Die Wärmewende in Potsdam nimmt weiter Fahrt auf: Am kommenden Montag startet die Stadtwerke-Tochter Energie und Wasser Potsdam (EWP) weitere Bohrungen für Tiefengeothermie. Ziel ist es, das altersschwache Gas-Heizkraftwerk im Potsdamer Süden klimafreundlich zu ersetzen. Unterstützt wird das Vorhaben durch ein neues Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von mehreren Millionen Euro.
Hintergrund des Projekts
Das bestehende Gas-Heizkraftwerk im Süden von Potsdam ist in die Jahre gekommen und soll durch eine nachhaltige Energiequelle abgelöst werden. Die EWP setzt dabei auf Tiefengeothermie, bei der Wärme aus dem Erdinneren genutzt wird. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen erfolgreich eine erste Bohrung durchgeführt. Nun folgt die zweite Phase mit weiteren Bohrungen, um die geologischen Gegebenheiten genauer zu erkunden und die Nutzung der Erdwärme vorzubereiten.
Finanzierung durch die EIB
Die Europäische Investitionsbank hat der EWP ein Darlehen in Höhe von rund 50 Millionen Euro zugesagt. Dieses Geld soll nicht nur für die Geothermie-Bohrungen, sondern auch für den Ausbau des Fernwärmenetzes in Potsdam verwendet werden. „Mit diesem Kredit können wir die Wärmewende in Potsdam entscheidend voranbringen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren“, erklärte ein Sprecher der EWP. Die EIB fördert damit Projekte, die zur Erreichung der Klimaziele beitragen.
Technische Details und Zeitplan
Die neuen Bohrungen werden voraussichtlich mehrere Monate dauern. Dabei werden Bohrungen in Tiefen von bis zu 1.500 Metern niedergebracht, um heißes Wasser aus dem Untergrund zu erschließen. Die gewonnene Wärme soll später in das Fernwärmenetz eingespeist werden und so tausende Haushalte in Potsdam mit umweltfreundlicher Energie versorgen. Die EWP rechnet damit, dass die Geothermie-Anlage ab 2026 ihren Betrieb aufnehmen kann.
Bedeutung für die Region
Das Projekt ist ein wichtiger Baustein der Potsdamer Klimastrategie, die eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um 70 Prozent bis 2030 vorsieht. Die Stadtwerke investieren insgesamt rund 100 Millionen Euro in die Wärmewende. „Potsdam zeigt, wie der Umstieg auf erneuerbare Wärmequellen gelingen kann“, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die Geothermie gilt als besonders zuverlässig und wetterunabhängig, was sie zu einer idealen Ergänzung zu Solar- und Windenergie macht.
Ausblick
Mit der neuen Bohrung und dem EIB-Darlehen ist die Finanzierung des Projekts vorerst gesichert. Die EWP plant, in den kommenden Jahren weitere Geothermie-Standorte in Potsdam zu erschließen. Langfristig soll die Landeshauptstadt komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen werden. Die Bürgerinnen und Bürger können sich zudem über stabile Preise freuen, da Geothermie weniger von Marktschwankungen betroffen ist als Gas.



