Die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben weitreichende Folgen für den globalen Kraftstoffmarkt. Laut einer Analyse des Energiemarkt-Datenanbieters Kpler liegt die größte Verwundbarkeit des Energiesystems nicht mehr in der Rohölversorgung, sondern in den Raffineriekapazitäten. Die Bank Morgan Stanley warnte kürzlich vor einem "Diesel-Engpass", da die Bestände an Diesel voraussichtlich auf ein mehrjähriges Tief fallen werden.
Russisches Exportverbot verschärft Lage
Sarah Raffoul, Senior-Analystin für Ölprodukte bei Argus Media, erklärt: "Zunehmende Störungen in russischen Raffinerien infolge einer Zunahme ukrainischer Drohnenangriffe dürften sich stärker auf die Dieselversorgungslage auswirken." Besonders problematisch sei das kürzlich angekündigte russische Exportverbot für Diesel. Bereits im Juni gingen die Dieselexporte Russlands um mehr als 60 Prozent zurück. Berichten zufolge führt Russland nun sogar Treibstoff aus Indien ein, um die eigene Nachfrage zu decken.
Globale Auswirkungen auf den Dieselmarkt
Russland ist ein wichtiger Diesellieferant für Brasilien, die Türkei und nordafrikanische Länder. Diese Staaten müssen nun auf alternative Anbieter wie die USA, Indien oder Nigeria zurückgreifen und werden so zu direkten Konkurrenten für Europa, das ebenfalls einen erheblichen Teil seines Diesels aus diesen Regionen importiert. Superbenzin ist weniger betroffen, da deutsche Raffinerien mehr Benzin produzieren als im Inland benötigt wird und den Überschuss exportieren.
Raffineriemarge auf Rekordhoch
Der sogenannte Crack Spread, der die Differenz zwischen Rohölpreis und Kraftstoffpreis misst, ist für Diesel in Europa auf ein Rekordhoch von 65 Dollar gestiegen. Dies zeigt, dass die Raffinerien zum Flaschenhals der Treibstoffversorgung geworden sind. Zusätzlich verschärft die Blockade der Straße von Hormus die Situation: Die Exporte von Dieselproduzenten am Persischen Golf sind laut Argus Media um vier bis fünf Millionen Tonnen pro Monat zurückgegangen. Der russische Exportstopp könnte diesen Engpass noch einmal um die Hälfte verschärfen.



