Vattenfall-Chef warnt: Ausbau erneuerbarer Energien droht zu stocken
Vattenfall-Chef: Ausbau erneuerbarer Energien droht zu stocken

Vattenfall-Chef warnt vor Delle bei Solar und Wind

Robert Zurawski, Deutschlandchef des Energiekonzerns Vattenfall, sieht ein reales Risiko, dass der Ausbau von Solar- und Windenergie in Deutschland ins Stocken geraten könnte. Grund dafür sind die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (parteilos), die Förderung für erneuerbare Energien zu kürzen. In einem Interview mit dem SPIEGEL sagte Zurawski: „Das Risiko ist real. Wenn die Rahmenbedingungen unsicher sind, investiert niemand.“

Reiche bremst bei Förderung

Wirtschaftsministerin Reiche hatte zuletzt angekündigt, die Einspeisevergütungen für neue Solar- und Windkraftanlagen zu senken, um die Kosten für die Energiewende zu begrenzen. Zugleich sollen Ausschreibungsmengen reduziert werden. Branchenverbände warnen seit Wochen vor einem Einbruch beim Zubau. Laut einer Analyse des Bundesverbands Erneuerbare Energie könnten die geplanten Kürzungen dazu führen, dass 2027 nur noch halb so viele Windräder neu errichtet werden wie im Vorjahr.

Zurawski fordert Verlässlichkeit

Der Vattenfall-Manager betonte die Notwendigkeit planbarer Bedingungen: „Wir müssen raus aus den Fossilen. Dafür brauchen wir einen verlässlichen Rechtsrahmen, der Investitionen in Wind und Solar auch langfristig attraktiv macht.“ Vattenfall selbst hat nach eigenen Angaben im laufenden Jahr mehrere Großprojekte in der Nordsee und an Land gestoppt oder verschoben, weil die politischen Signale zu vage seien. „Ohne klare Perspektive werden wir unsere Ausbauziele nicht erreichen“, so Zurawski.

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Auswirkungen auf die Energiewende

Ein verlangsamter Ausbau hätte weitreichende Folgen. Deutschland will bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix auf 80 Prozent steigern. Aktuell liegt er bei knapp 50 Prozent. Sollte der Zubau tatsächlich einbrechen, drohen Verfehlungen der Klimaziele. Auch die Strompreise könnten steigen, wenn weniger günstiger Ökostrom ins Netz fließt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt vor einer „Investitionslücke“ von mehreren Milliarden Euro.

Politische Reaktionen

Die Bundesregierung verteidigt die Kürzungen als notwendig, um die Kosten für Verbraucher zu deckeln. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erklärte, man wolle „Überförderung vermeiden und die Marktintegration vorantreiben“. Oppositionspolitiker und Umweltverbände kritisieren die Pläne hingegen scharf. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann nannte die Kürzungen „ein fatales Signal für den Klimaschutz“. Auch der Bundesverband Windenergie fordert ein Umdenken: „Die Politik darf den Ausbau nicht abwürgen, sondern muss ihn beschleunigen.“

Vattenfall investiert dennoch

Trotz der Unsicherheiten hält Vattenfall an seinen langfristigen Zielen fest. Das Unternehmen will bis 2030 rund fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. „Aber wir braeben jetzt Klarheit, sonst verschieben sich die Projekte nach hinten“, sagte Zurawski. Konkret fordert er stabile Ausschreibungsmengen und eine Anhebung der Ausbaukorridore für Wind auf See. „Die Technologie ist da, die Kosten sind gesunken. Jetzt muss die Politik liefern.“

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