Thermondo-Chef: Wärmepumpe bleibt einzige Option – Förderkürzung schafft Klarheit
Wärmepumpe einzige Option: Förderkürzung schafft Klarheit

Die überraschende Kürzung der Wärmepumpen-Förderung durch die schwarz-rote Koalition hat in der Branche für Aufsehen gesorgt. Trotz der abrupten Änderung zeigt sich Felix Plog, Chef des größten deutschen Wärmepumpenanbieters Thermondo, im Podcast „Das Klima-Labor von ntv“ grundsätzlich zufrieden mit der Neuregelung. „Schwarz-Rot steckt den Pfad klar ab: Es bleibt nur die Wärmepumpe“, sagte Plog. Die Förderung sinkt ab sofort alle sechs Monate um 1300 Euro. Besonders betroffen sind Haushalte mit einem Einkommen über 60.000 Euro – sie verlieren über Nacht 3600 Euro an Förderung.

Harte Einschnitte für Besserverdienende

Laut Plog entfallen etwa 60 bis 70 Prozent der Thermondo-Kunden auf die höhere Einkommensgruppe. „Die haben über Nacht 3600 Euro Förderung verloren. Das ist ein harter Schlag“, erklärte er. Konkret bedeute dies: Was vor einer Woche noch 20.000 Euro kostete, schlägt heute mit 23.600 Euro zu Buche. Insgesamt seien rund 100 Kunden von Thermondo betroffen, die den Förderantrag nicht mehr rechtzeitig stellen konnten. Das Unternehmen versuche, mit individuellen Lösungen und Kulanzregelungen zu helfen, könne die Verluste aber nicht vollständig ausgleichen.

Planbarkeit als Vorteil

Trotz der Mehrkosten für viele Kunden bewertet Plog die politische Entscheidung positiv. „Die Förderung wird immer niedriger. Das ist für Kundinnen und Kunden unbefriedigend, weil sie sich beeilen müssen. Aber es ist auch eine klare Botschaft: Die Elektrifizierung ist unumkehrbar“, so Plog. Die Degression schaffe Planbarkeit, die der Branche zuvor gefehlt habe. „Wir können mit Interessenten sprechen und genau sagen, was in sechs Monaten sein wird. Das war bisher nicht so.“

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Kritik an ausbleibender Stromsteuersenkung

Allerdings übt Plog auch Kritik: Die im Koalitionsvertrag versprochene Senkung der Stromsteuer sei ausgeblieben. „Dieses Versprechen wurde gebrochen. Das ist gravierender als vieles anderes, was nicht erfolgt ist – aus Klimagründen, aber auch aus volkswirtschaftlichen.“ Er verwies auf die hohen Strompreise in Deutschland, die im internationalen Vergleich die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen beeinträchtigten. „In den nordischen Ländern sind sie deutlich niedriger. Dort ist keine hohe Förderung erforderlich, weil die Wärmepumpe sich einfach so lohnt. Ein Stück weit subventionieren wir also gegen unsere hohen Strompreise an.“

Wärmepumpe auf dem Vormarsch

Plog rechnet mit einer anhaltend starken Nachfrage nach Wärmepumpen. „Die Gasheizung ist keine Option mehr. Die wird extrem teuer. Nichtstun aber auch. Es bleibt nur die Wärmepumpe. Am besten sofort. Mich würde eine anhaltend starke Nachfrage nicht überraschen – bis nah an die 100-Prozent-Marke.“ Tatsächlich sei die Wärmepumpe im vergangenen Jahr erstmals die meistverkaufte Heizung in Deutschland gewesen. Die Gasheizung verliere rapide an Bedeutung, die Ölheizung sei bereits seit anderthalb Jahren irrelevant. „In ein, zwei Jahren werden 90 oder sogar 95 Prozent der installierten Heizungen Wärmepumpen sein.“

Kostenfallen für Vermieter

Auch für Vermieter sieht Plog starke Anreize, auf Wärmepumpen zu setzen. Die Förderung für Mehrfamilienhäuser sei „stattlich“. Entscheidend sei aber, dass Vermieter künftig einen Teil der Biogas-Treppe mitbezahlen müssten und maximal 50 Prozent der Kosten auf Mieter umlegen dürften. „Das ist ein brutal hoher Anreiz, Mehrfamilienhäuser zu elektrifizieren. Er war nie größer als jetzt.“

Herausforderungen bleiben

Trotz der positiven Entwicklung sieht Plog noch Risiken: Der europäische Emissionshandel stehe unter Beschuss, was ein Gas-Comeback auslösen könne. Zudem müssten die Strompreise sinken. „Wenn ich die Kosten für eine Technologie stetig erhöhe, ohne die Betriebskosten zu senken, führt das zu Unzufriedenheit.“ Gleichzeitig zeige sich die Sektorkopplung als großer Treiber: „Die Neuzulassungen von E-Autos steigen stark an. Wer ein E-Auto hat, denkt automatisch über eine Solaranlage nach oder umgekehrt. Dann folgt zwangsläufig die Frage nach der Wärmepumpe, weil sich die Technologien gegenseitig ergänzen.“

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