Deutsche bleiben Europas Bargeld-Champions
In einer Zeit, in der digitale Bezahlmethoden weltweit auf dem Vormarsch sind, halten die Deutschen besonders hartnäckig an ihrem Bargeld fest. Eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Beratungsunternehmens BearingPoint zeigt deutlich: Deutschland, Österreich und die Schweiz bilden das europäische Herzland der Bargeldnutzung. Während in Skandinavien Münzen und Scheine fast vollständig aus dem Alltag verschwunden sind, greifen hierzulande drei Viertel der Bevölkerung regelmäßig zum physischen Geld.
Umfrageergebnisse im Detail
Die repräsentative Befragung unter rund 2000 Erwachsenen in Deutschland ergab, dass 73 Prozent der Deutschen Bargeld als ihre häufigste Zahlungsmethode angeben. Das sind sogar vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In Österreich liegt dieser Wert mit 71 Prozent fast gleich hoch, während in der Schweiz bereits 61 Prozent der Befragten regelmäßig mit Bargeld bezahlen.
Im europäischen Vergleich zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle:
- Irland: 58 Prozent nutzen Bargeld am häufigsten
- Frankreich: 51 Prozent bevorzugen Scheine und Münzen
- Niederlande: 46 Prozent setzen auf physisches Geld
Skandinavien als Vorreiter der Bargeldlosigkeit
Ganz anders präsentiert sich die Situation in Nordeuropa. In Schweden geben nur noch 25 Prozent der Befragten an, Bargeld als Hauptzahlungsmittel zu nutzen. 27 Prozent der Schweden kommen sogar komplett ohne Bargeld aus – ein Wert, der in Deutschland mit nur 2 Prozent und Österreich mit 1 Prozent verschwindend gering ist.
Weitere skandinavische Zahlen:
- Dänemark: 32 Prozent nutzen Bargeld regelmäßig, 18 Prozent leben komplett bargeldlos
- Finnland: 42 Prozent bevorzugen physisches Geld
Zukunft des Bargeldes in Europa
Die Umfrage zeigt auch interessante Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung. 37 Prozent aller Befragten aus den neun untersuchten Ländern halten einen kompletten Abschied vom Bargeld in den nächsten zehn Jahren für sicher oder sehr wahrscheinlich. Besonders optimistisch sind dabei die Dänen: 50 Prozent glauben an ein baldiges Ende des Bargeldes. In Deutschland rechnen 33 Prozent damit, in Österreich 29 Prozent.
Digitaler Euro und politische Entwicklungen
Interessant ist die Wahrnehmung des geplanten digitalen Euro. Ein Drittel (33 Prozent) der Befragten in den untersuchten Euroländern hat noch nichts von diesem Projekt der Europäischen Zentralbank gehört, das möglicherweise 2029 eingeführt werden könnte. Die EZB betont jedoch, dass es nicht um die Abschaffung des Bargeldes geht, sondern um eine digitale Ergänzung auf europäischer Basis.
Politisch gewinnt das Thema Bargeld zusätzliche Relevanz durch den aktuellen Aktionsplan der deutschen Bundesregierung. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) haben Maßnahmen vorgestellt, um die Organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Dabei soll auch Bargeld künftig schneller eingezogen werden können, wenn die legale Herkunft nicht nachgewiesen wird.
Die Umfrageergebnisse machen deutlich: Während Europa in der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs unterschiedliche Geschwindigkeiten zeigt, bleiben die deutschsprachigen Länder vorerst den traditionellen Zahlungsmethoden treu. Die Entwicklung in Skandinavien zeigt jedoch, wie schnell sich Gewohnheiten ändern können – auch wenn in Deutschland derzeit noch die Mehrheit an Münzen und Scheinen festhält.



