Ökonomen lehnen Tankrabatt-Pläne ab: Preissprünge an Zapfsäulen lösen Debatte aus
Ökonomen kritisieren Pläne für neuen Tankrabatt scharf

Debatte um Spritpreisbremse: Wirtschaftsexperten warnen vor teuren Fehlern

Die aktuellen Preissprünge an deutschen Tankstellen haben eine politische Diskussion über eine mögliche Neuauflage des Tankrabatts entfacht. Während einige Politiker angesichts von Benzin- und Dieselpreisen über der Zwei-Euro-Marke nach staatlichen Eingriffen rufen, positionieren sich führende Wirtschaftsforschungsinstitute deutlich dagegen.

Ifo-Präsident: "Politik kann Energiekosten nur umverteilen"

Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, äußert fundamentale Bedenken: "Eine Absenkung der Mineralölsteuer würde die Haushalte letztlich nicht entlasten", betont er. Die Einnahmeausfälle müssten schließlich durch den Staat gegenfinanziert werden, was letztendlich wieder die Bürger belaste. Die Politik könne erhöhte Energiekosten nicht eliminieren, sondern lediglich umverteilen.

Fuest warnt zudem vor der Störung eines wichtigen Preisinstruments: "Wenn Öl knapp und teuer ist, sollten Verbraucher auch das Signal erhalten, davon weniger zu verbrauchen." Sein Appell richtet sich gegen eine Mentalität, die bei jeder Belastung sofort nach staatlicher Hilfe ruft: "Unsere Wirtschaft funktioniert auf Dauer nicht ohne ein gewisses Maß an Eigenverantwortung."

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

DIW-Chef fordert zielgenaue Entlastungen

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), teilt diese kritische Haltung: "Ein Tankrabatt, um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler." Stattdessen plädiert er für gezielte Maßnahmen zur Entlastung einkommensschwacher Haushalte.

Als konkrete Alternativen nennt Fratzscher eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und die Einführung einer Übergewinnsteuer: "Dies könnte möglichen Missbrauch durch Mineralölkonzerne bekämpfen." Diese Position findet Unterstützung bei Andreas Bovenschulte, dem Bremer Regierungschef, der ebenfalls ein Instrument fordert, um jene zur Verantwortung zu ziehen, die "den Krieg ausnutzen, um sich die Taschen vollzumachen".

RWI-Experte: Ökologisch und ökonomisch bedenklich

Manuel Frondel vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet Ideen für einen Tankrabatt als "sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich". Er verweist auf die Erfahrungen von 2022: "Die Spritpreisbremse kostete damals pro Monat etwa eine Milliarde Euro. In Zeiten knapper Kassen fehlt diese Milliarde an allen Ecken und Enden."

Besonders kritisch sieht Frondel die ökologischen Auswirkungen: "Der CO₂-Preis wurde eingeführt, um fossile Kraftstoffe teurer und unattraktiver zu machen. Wenn man das aussetzt oder Gegenmaßnahmen ergreift, sobald es Preiskapriolen gibt, unterwandert man den gesamten Plan." Zudem sei der Tankrabatt 2022 nicht vollständig an Verbraucher weitergegeben worden - gegen Ende nur etwa zur Hälfte.

Bundeswirtschaftsministerin kündigt Preisprüfung an

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat unterdessen eine Überprüfung der Kraftstoffpreise angekündigt: "Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe." Sie stehe dazu im intensiven Austausch mit dem Bundeskartellamt.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt zeigt sich jedoch zurückhaltend: "Wir analysieren die Preisentwicklung mit der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe ohnehin fortlaufend." Gleichzeitig macht er deutlich: "Es gibt kein Instrumentarium, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern." Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten zeigen, würde das Amt aber "konsequent dagegen vorgehen".

Die Debatte verdeutlicht einen grundlegenden Konflikt zwischen kurzfristiger Verbraucherentlastung und langfristigen wirtschafts- sowie klimapolitischen Zielen. Während die Politik unter Druck steht, auf die akuten Preissprünge zu reagieren, warnen Ökonomen vor Maßnahmen, die sowohl Haushaltsdisziplin als auch Klimaziele gefährden könnten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration