Spritpreise erreichen höchstes Niveau seit 2024
Die Preise an deutschen Tankstellen steigen kontinuierlich an und haben ein Niveau erreicht, das seit dem Jahr 2024 nicht mehr verzeichnet wurde. Aktuell kostet Super E10 im Durchschnitt 1,776 Euro pro Liter, während Diesel bei 1,740 Euro liegt. Diese Werte entsprechen in etwa denen aus dem Sommer 2024, obwohl der Rohölpreis heute deutlich niedriger ist als damals.
Staatliche Abgaben als Hauptfaktor
Ein wesentlicher Grund für den erneuten Preisanstieg sind die zum Jahreswechsel erhöhten CO₂-Abgaben sowie weitere gesetzliche Vorgaben. Diese staatlichen Belastungen verteuern Benzin und Diesel zusätzlich, unabhängig von der Entwicklung des Ölpreises. Der ADAC äußert sich kritisch zu dieser Entwicklung. Eine Sprecherin des Automobilclubs erklärt: „Aus Sicht des ADAC sind unter Berücksichtigung aller Faktoren vor allem die Preisanstiege, die etwa zum Jahreswechsel stattgefunden haben, nicht in ihrem Ausmaß erklärbar.“ Der Verband habe „ein zu hohes Niveau der Kraftstoffpreise festgestellt“, mit „aus unserer Sicht zu hohen Aufschlägen“.
Tankstellen weisen Vorwürfe zurück
Die Tankstellenbetreiber verteidigen sich gegen den Vorwurf der Abzocke. Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen, betont: „Als Kraftstoffanbieter geben wir die CO₂-Abgabe lediglich an den Staat weiter, werden dafür aber mit dem Unmut der Kundinnen und Kunden konfrontiert.“ Die Handelsspanne liege im niedrigen einstelligen Cent-Bereich und sei damit minimal.
Auch die Mineralölindustrie verweist auf die staatlichen Vorgaben. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie stellt klar: „Aus Autofahrersicht ist der Preisanstieg natürlich ärgerlich. Aber grüne Kraftstoffe sind deutlich teurer als fossile – Klimaschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben.“ Zudem sei das Benzingeschäft hart umkämpft, und die Marge der Tankstellen sei nicht gestiegen. Der staatliche Anteil am Endkundenpreis für Benzin mache mittlerweile etwa 60 Prozent aus.
Kartellamt warnt vor Wettbewerbssituation
Laut einem aktuellen Bericht des Bundeskartellamts ist der Preisanstieg vor allem auf höhere CO₂-Kosten und strengere Klimavorgaben zurückzuführen, die die Beschaffung verteuert haben. Die Behörde betont jedoch: „Das Durchreichen von Kostensteigerungen ist aber kein Automatismus.“ Unternehmen könnten höhere Kosten weitergeben, müssten es aber nicht zwingend. Hinweise auf unzulässige Übergewinne wurden nicht genannt.
Bereits zuvor hatte das Kartellamt gewarnt, dass der Wettbewerb im deutschen Mineralölbereich „schwierig“ sei. Der ADAC sieht das Problem daher weniger bei den Tankstellen selbst, sondern vielmehr im Großhandel und bei den Raffinerien.
Fazit: Umstrittene Kostenweitergabe
Neben dem Ölpreis treiben vor allem staatliche Abgaben und Klimavorgaben den Literpreis für Kraftstoffe in die Höhe. Ob und in welchem Umfang diese Kosten tatsächlich weitergegeben werden, bleibt jedoch umstritten. Während die Industrie auf gesetzliche Vorgaben verweist, kritisiert der ADAC unverhältnismäßige Aufschläge. Die Debatte über faire Spritpreise dürfte angesichts der aktuellen Entwicklung weiter anhalten.



