Spritpreise steigen weiter: Preisbremse stößt auf breite Ablehnung
Spritpreise steigen: Preisbremse wird abgelehnt

Spritpreise erreichen neue Höchststände

Die Spritpreise in Deutschland setzen ihren ungebremsten Aufwärtstrend fort. Wie aktuelle Zahlen des ADAC belegen, stiegen die Preise für Superbenzin und Diesel am Freitag sowohl am Morgen als auch am Nachmittag weiter an. Ein Sprecher des Verkehrsclubs kommentierte: „Der Blick auf die Preise am Nachmittag lässt vermuten, dass der Anstieg auch heute weiterging und -geht – wenn auch weniger stark als am Dienstag und Mittwoch.“ Diese Entwicklung befeuert die anhaltende Debatte um einen möglichen Tankrabatt, der unter anderem vom ADAC ins Spiel gebracht wurde.

Konkrete Zahlen zeigen dramatische Entwicklung

In der morgendlichen Preisspitze kostete Diesel pro Liter 2,109 Euro, während Super E10 bei 2,014 Euro lag. Obwohl Benzinpreise üblicherweise im Laufe des Vormittags etwas nachgeben, fiel dieser Rückgang diesmal nur gering aus. Der bundesweite Tagesdurchschnittspreis für Diesel kletterte laut ADAC am Donnerstag auf 2,042 Euro pro Liter – der höchste Wert seit November 2022. Super E10 erreichte im bundesweiten Tagesschnitt 1,949 Euro. Damit war E10 gut 17 Cent teurer als vor einer Woche, Diesel sogar fast 30 Cent.

Ölpreis überschreitet kritische Marke

Einer der zentralen Treiber der steigenden Spritpreise ist der explodierende Ölpreis. Die für Europa maßgebliche Sorte Brent überschritt am Freitag zum ersten Mal seit 2024 wieder die psychologisch wichtige Marke von 90 Dollar pro Barrel. Dieser Anstieg spiegelt sich unmittelbar in den Kraftstoffkosten an deutschen Tankstellen wider.

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Breite Front gegen Spritpreisbremse

Der starke Preisanstieg seit Kriegsbeginn hat zwar Forderungen nach einer Neuauflage der Spritpreisbremse aufkommen lassen, doch diese Idee stößt auf breite Ablehnung. Nachdem sich bereits Wirtschaftsforscher kritisch geäußert hatten, lehnten am Freitag auch die Spitzenverbände der Wirtschaft – BDA, BDI, IHK und ZDH – eine solche Maßnahme entschieden ab.

Rainer Dulger, Präsident des Arbeitgeberverbands BDA, brachte es auf den Punkt: „Es funktioniere nicht, Probleme mit Geld zu ersticken.“ Sein Kollege Peter Adrian, Präsident der Industrie- und Handelskammer, ergänzte: „Die Zeiten, die man damit verbringen kann, Probleme wegzusubventionieren, sind vorbei.“

Kritik aus Umweltverbänden

Auch Umweltorganisationen positionieren sich klar gegen eine Spritpreisbremse. Simon Wolf, Klimapolitik-Experte von Germanwatch, nannte den Einsatz von Steuergeldern für eine solche Maßnahme „puren Populismus“. Stattdessen forderte er: „Wenn die Bundesregierung etwas zur Entlastung von Energiekosten tun möchte, sollte sie die Stromsteuer für alle Menschen senken – so wie versprochen, aber bisher nicht eingehalten.“

Christiane Rohleder, Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), warnte vor Fehlsteuerungen: „Von Subventionen, die der Staat unabhängig vom konkreten Bedarf mit der Gießkanne ausschüttet, raten wir ab. Sie sind aus unserer Sicht nicht zielgerichtet genug und können zu Fehlsteuerungen führen.“

Kanzler Merz zeigt sich abwartend

Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich am Freitag nach einem Spitzengespräch mit Vertretern der Wirtschaftsverbände in München zurückhaltend. „Wir prüfen die Entwicklung auf den Märkten“, sagte er auf eine entsprechende Frage. Bevor diese Prüfung nicht abgeschlossen sei, „können wir dazu keine abschließende Stellungnahme abgeben“.

Merz betonte: „Am besten wäre es, wenn dieser Krieg so schnell wie möglich beendet wird und wir auch die Energiepreise anschließend wieder auf dem Niveau sehen, das wir vorher hatten.“ Vor dem Krieg seien die Preise an den Tankstellen im Großen und Ganzen akzeptabel gewesen. „Da wollen wir so schnell wie möglich auch wieder hin.“

Autofahrer weichen ins Ausland aus

Angesichts der hohen Preise machen sich immer mehr Autofahrer auf den Weg über die Grenze ins teilweise deutlich billigere Ausland. Besonders Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg bieten typischerweise günstigeren Sprit als Deutschland – hauptsächlich aufgrund von Steuerunterschieden.

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In der polnischen Grenzregion kam es teilweise zu langen Schlangen an den Tankstellen, wie Robert Radzimanowski, Leiter für Regionalpolitik der IHK Ostbrandenburg, berichtete. Während in Frankfurt (Oder) an den Tankstellen am Vormittag kaum etwas los war, waren im benachbarten Slubice alle Zapfsäulen besetzt. Einige Autofahrer füllten sogar zusätzliche Kanister mit Sprit.

Frust bei Tankstellenpächtern und Kunden

Die steigenden Preise führen zu erheblichem Frust bei allen Beteiligten. Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes (VGT) Nord-Ost, schilderte die Situation: „Die Kollegen an den Kassen kriegen natürlich schon sehr deutlich den Unmut der Leute mit.“ Dabei könnten die Pächter gar nichts für die Erhöhungen, da die Preishoheit bei den Mineralölgesellschaften liege.

Besonders in Gegenden mit vielen einkommensschwachen Haushalten tanken die Menschen laut Rühlemann teils nur noch minimal: „Die kommen dann schon mal und tanken für fünf Euro, weil sie morgen unbedingt das und das noch erledigen müssen.“ Andere Kunden steigen komplett auf alternative Verkehrsmittel um. An der Kasse höre man dann Sätze wie: „Kann ich mir nicht mehr leisten. Du bist zu teuer. Ich fahre jetzt mit den Öffis.“

Die Mineralölgesellschaften verweisen ihrerseits auf gestiegene Preise für Rohöl und fertige Kraftstoffe, die sie an die Verbraucher weitergeben müssen. Ein Ende der Preisspirale ist derzeit nicht in Sicht, solange der Ölpreis auf hohem Niveau verharrt und der Krieg andauert.