Spritpreise erreichen neue Rekordmarken: Super E10 übersteigt 2-Euro-Grenze
Die Spritpreise in Deutschland steigen unaufhörlich und erreichen neue Höchststände. Nur einen Tag nachdem Dieselkraftstoff die kritische Schwelle überschritten hat, hat nun auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis durchbrochen. Laut aktuellen Angaben des ADAC kostete Super E10 in der Preisspitze am Morgen 2,003 Euro. Noch am Mittwoch lag der Preis mit 1,995 Euro knapp unter dieser symbolträchtigen Grenze.
Dieselpreise steigen weiter an
Parallel dazu setzt Diesel seinen Aufwärtstrend fort. Am Morgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt einen Preis von 2,086 Euro. Zum Vergleich: Am Vortag waren es noch 2,054 Euro. Interessant ist, dass Diesel normalerweise günstiger als E10 ist, da er deutlich niedriger besteuert wird. Allerdings erweist sich sein Preis als besonders krisenanfällig. Bereits in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte Diesel stärker reagiert als Benzin. Ein Grund dafür ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und in der Industrie eine größere Rolle spielt.
Heizölpreise legen deutlich zu
Nicht nur die Kraftstoffpreise, sondern auch die Heizölkosten steigen kontinuierlich. Das Portal Heizoel24 meldete am Donnerstagmittag einen Preis von rund 133 Euro für 100 Liter. Das entspricht einer Steigerung von etwa 5 Euro gegenüber dem Vortag. Vor Kriegsbeginn lag der Preis noch unter 100 Euro, was die dramatische Entwicklung verdeutlicht.
Forderungen nach einer Spritpreisbremse werden lauter
Die steigenden Spritpreise führen zu einer intensiven Diskussion über mögliche Gegenmaßnahmen. Zuletzt hatten E10 und Diesel im Tagesdurchschnitt 2022 mehr als zwei Euro gekostet, damals als Folge des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine. Der ADAC fordert nun, dass die Politik eine „vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen“ müsse. Konkret schlägt der Automobilclub vor, Diesel auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abzusenken und Benzin vergleichbar zu reduzieren. Diese Maßnahme könnte für etwa 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Auch der Verkehrsclub Mobil in Deutschland unterstützt die Forderung nach einer Spritpreisbremse. Eine von ihm initiierte Online-Petition an die Bundesregierung hat inzwischen mehr als 14.000 Unterschriften gesammelt. Historisch betrachtet hatte der Staat bereits 2022 die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um Autofahrer angesichts hoher Preise zu entlasten. Allerdings war der damalige Preisanstieg zu Kriegsbeginn deutlich ausgeprägter als in der aktuellen Situation.
Wirtschaftswissenschaftler äußern Kritik an Tankrabatt
Führende Wirtschaftswissenschaftler stehen einem möglichen Tankrabatt jedoch skeptisch gegenüber. Ifo-Chef Clemens Fuest hält einen solchen Eingriff für volkswirtschaftlich schädlich. Seiner Argumentation nach sollten Verbraucher bei knappen und teuren Ölressourcen das Signal erhalten, ihren Verbrauch zu reduzieren. Dies sei eine der großen Stärken der Marktwirtschaft. Zudem sei die Belastung durch die Energiepreise noch nicht so gravierend, dass daraus Notsituationen entstünden.
DIW-Chef Marcel Fratzscher teilt diese kritische Haltung. Auf dpa-Anfrage schreibt er: „Ein Tankrabatt, um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler und die falsche Priorität der Bundesregierung.“ Stattdessen plädiert er für zielgenaue Entlastungen, insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen. Als mögliche Maßnahmen nennt er eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und eine Übergewinnsteuer, um möglichen Missbrauch durch Mineralölkonzerne zu bekämpfen.
Ökologische und ökonomische Bedenken
Der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, bezeichnet einen Tankrabatt als „sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich“. Er verweist auf die hohen Kosten, die 2022 bei etwa einer Milliarde Euro pro Monat lagen. Zudem würde eine solche Maßnahme ökologisch ein falsches Signal senden. Frondel hat zudem untersucht, ob der Steuerrabatt 2022 vollständig bei den Verbrauchern ankam. Seine Forschungsergebnisse zeigen: „Im ersten Monat wurde der Tankrabatt noch komplett weitergegeben. Als die Aufmerksamkeit nachließ, sank auch die Weitergabe. Zum Ende des Rabatts war es nach unseren Daten nur noch etwa die Hälfte.“
Hintergrund der Preissteigerungen
Der aktuelle Preisanstieg ist maßgeblich auf den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes zurückzuführen. Diese strategisch wichtige Wasserstraße spielt eine zentrale Rolle für Öl- und Gaslieferungen. Seit der Eskalation am Samstag sind sowohl Rohöl als auch Gas deutlich teurer geworden, was sich unmittelbar auf die Spritpreise auswirkt.



