Spritpreise erreichen Rekordmarke: Super E10 übersteigt erstmals die Zwei-Euro-Grenze
Super E10 übersteigt erstmals die Zwei-Euro-Grenze

Spritpreise erreichen historische Marke: Super E10 überschreitet Zwei-Euro-Schwelle

Die Preise an deutschen Tankstellen haben einen neuen traurigen Rekord erreicht. Nachdem bereits Dieselkraftstoff die Marke von zwei Euro pro Liter überschritten hat, ist nun auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 über diese symbolträchtige Grenze gestiegen. Laut aktuellen Daten des ADAC kostete Super E10 in der Preisspitze am Morgen bundesweit durchschnittlich 2,003 Euro pro Liter.

Dieselpreise auf noch höherem Niveau

Dieselkraftstoff liegt mit einem Durchschnittspreis von 2,086 Euro je Liter sogar noch deutlich höher. Dies ist besonders bemerkenswert, da Diesel normalerweise aufgrund der deutlich niedrigeren Besteuerung preiswerter ist als Benzin. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass Dieselpreise krisenanfälliger reagieren – ein Phänomen, das bereits in der Anfangsphase des Ukrainekriegs zu beobachten war.

Ein wesentlicher Grund für diese besondere Sensibilität liegt in der vielfältigen Verwendbarkeit von Diesel: Der Kraftstoff dient nicht nur dem Straßenverkehr, sondern wird auch als Ersatz für Gas genutzt und spielt eine bedeutende Rolle für die Industrie. Beide Kraftstoffsorten unterliegen zwar den üblichen tageszeitlichen Schwankungen, doch der allgemeine Preisanstieg überlagert derzeit diese normalen Marktmechanismen.

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Langfristiger Preisanstieg deutlich sichtbar

Betrachtet man die längerfristige Entwicklung, wird das Ausmaß der Preissteigerungen besonders deutlich. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter Diesel 2,005 Euro – das sind satte 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des aktuellen Konflikts. Super E10 erreichte am Dienstag im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter, was einer Steigerung von 15,7 Cent gegenüber dem Vorkriegsniveau entspricht.

Politischer Druck auf Mineralölkonzerne wächst

Angesichts dieser rapiden Preissprünge formiert sich zunehmend politischer Widerstand. Der Bremer Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) fordert eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, die seiner Ansicht nach ihre Gewinnmargen unverhältnismäßig ausgeweitet haben.

„Wenn man sieht, wie die Ölkonzerne in Windeseile die Preise erhöht haben, dann besteht schon der Verdacht, dass sie den Krieg ausnutzen, um sich die Taschen vollzumachen“, erklärte Bovenschulte gegenüber der „Welt“. Er fordert, dass Unternehmen, die die Krise für sich ausnutzen, „mit kartell- und steuerrechtlichen Mitteln“ zur Verantwortung gezogen werden müssen.

Bundesregierung kündigt Überprüfung an

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat inzwischen eine Überprüfung der Preisentwicklung angekündigt. „Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe“, sagte die Ministerin im Podcast von „Table.Briefings“. Sie stehe dazu in intensivem Austausch mit dem Bundeskartellamt.

Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) positionierte sich deutlich: „Es darf da jetzt keine Abzocke geben“, mahnte der SPD-Chef im ZDF und drohte Mineralölkonzernen mit Konsequenzen, sollten sie versuchen, aus dem Irankrieg und der aktuellen Lage Kapital zu schlagen.

Historischer Vergleich und mögliche Gegenmaßnahmen

Zuletzt hatten E10 und Diesel im Tagesdurchschnitt 2022 die Zwei-Euro-Marke überschritten. Damals führte die Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine zur Einführung einer befristeten Solidaritätsabgabe auf EU-Ebene – einer Übergewinnsteuer für übermäßige Gewinne im Energiesektor.

Die aktuell steigenden Spritpreise lösen erneut Diskussionen über mögliche Gegenmaßnahmen aus. Im Gespräch ist unter anderem eine Spritpreisbremse. Bereits 2022 hatte der Staat von Juni bis August die Steuern auf Diesel und Benzin deutlich gesenkt, um Autofahrer angesichts hoher Preise zu entlasten. Diese Maßnahme war jedoch nicht unumstritten, da Kritiker bemängelten, die Erleichterung habe die Verbraucher nur teilweise erreicht.

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Hintergrund der Preissteigerungen

Der Hauptgrund für die aktuell hohen Spritpreise ist der Irankrieg und die damit verbundene Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Diese Wasserstraße spielt eine zentrale Rolle für den globalen Transport von Öl- und Gaslieferungen. Jede Störung in dieser Region hat unmittelbare Auswirkungen auf die Weltmarktpreise für Rohöl und damit auch auf die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen.

Die Markttransparenzstelle des Kartellamts weist darauf hin, dass es auch in normalen Zeiten erhebliche Preisunterschiede von mehreren Cent zwischen morgens und abends gibt. In der aktuellen Situation überlagert der allgemeine Aufwärtstrend jedoch diese tageszeitlichen Schwankungen, was zu einer anhaltend hohen Preislage führt.