Eine Verkäuferin beweist, was echter Service bedeutet
Immer wieder macht man die Erfahrung, dass nicht jeder für die Dienstleistungsbranche geboren ist. Besonders im Osten Deutschlands fällt dies häufig auf. Doch dann erlebt man Geschichten wie diese in einer Fleischerei, die Hoffnung machen.
Die geborene Verkäuferin Monika Tessmann
Monika Tessmann ist eine quirlige, kleine und äußerst kommunikative Person. Die 66-Jährige steht seit vielen Jahren hinter dem Tresen eines Fleischers in Ueckermünde. Seit ihrem Eintritt in den Rentenstand arbeitet sie nur noch auf Zuverdienstbasis, doch dieser Fakt spielt für die hier erzählte Geschichte keine Rolle. Monika Tessmann könnte genauso gut in Prenzlau, Templin, Berlin oder Aachen Wurst, Schinken und Rouladen verkaufen. Dem Chef müsste um den Absatz nie bange sein.
Sie gehört zu der immer kleiner werdenden Kaste der geborenen Verkäufer. Die Redakteurin erlebte dies jüngst an einem freien Nachmittag, als sie mit ihrer Mutter und ihrem Sohn eine Ausfahrt zum Stettiner Haff unternahm. In der Hoffnung auf ein leckeres Fischbrötchen und Ostseewind steuerten sie zwei kleine Erholungsorte mit hübschen Stränden an. Zu ihrer Enttäuschung war die Gastronomie dort trotz besten Frühlingswetters und zahlreicher Touristen noch geschlossen.
Die Rettung in der Fleischerei
Also ging es weiter nach Ueckermünde. Doch auch dort waren die bekannten Fischverkaufsstellen am Hafen noch nicht geöffnet. Als die Mägen immer lauter knurrten und die Rückfahrt bereits erwogen wurde, fiel der Blick auf die Filiale von Robert Kriewitz. „Na dann holen wir uns halt Wurst und essen zu Hause“, sagte die Redakteurin zu ihren Begleitern. Doch da hatten sie die Rechnung ohne Monika Tessmann gemacht.
Die Vollblut-Servicekraft sah den enttäuschten Gesichtsausdruck der Gäste sofort. Der Mittagstisch war zwar längst vorbei, aber die Dame lief zur Höchstform auf. In Windeseile wurde ein Glas selbstgemachter Soljanka geöffnet und in der Mikrowelle erwärmt. Gleichzeitig häufte sie für den Junior Unmengen an Kartoffelsalat à la Kriewitz auf den Teller, gekrönt von einem knusprigen Kotelett. Weil sie die hungrigen Augen ihrer Begleiter richtig deutete, wanderten auch noch ein Burger und belegte Brötchen an den Tisch.
Ein Team mit Leidenschaft
In der Zwischenzeit schnitt ihr junger Kollege Niclas Jelitte, der ihr an Liebe zum Job in nichts nachstand, Kostproben auf. Fenchelsalami, mediterranes Filet, Rindsknacker – schon der Duft ließ das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der erst 17-jährige Azubi im zweiten Jahr machte seiner älteren Kollegin Konkurrenz. Redegewandt erläuterte er die Herstellungsprozesse, pries die Qualität und lobte seinen Chef für dessen Erfindungsreichtum und Elan in den höchsten Tönen. „Das ist ein Macher“, befanden die beiden Mitarbeiter stolz.
Es war eine solche Freude, ihnen zuzusehen und zuzuhören, dass die Gäste sich nicht nur die Bäuche vollschlugen, sondern im Anschluss auch mit prall gefüllten Taschen das Geschäft verließen. „Warum ist das bloß nicht überall so?“, fragte die Redakteurin im Auto nachdenklich. Sofort fielen etliche Lokale und Läden ein, wo man mit einem mauligen „Mittagstisch ist vorbei“-Spruch genervt abgefertigt worden wäre.
Fazit: Der richtige Mensch am richtigen Platz
Das Fazit der Redakteurin lautet: „Irgendwas muss der Boss da verdammt richtig machen. Aber genauso wichtig ist es wahrscheinlich, dass die Bezahlung stimmt und der richtige Mensch auch am richtigen Arbeitsplatz steht. Denn zum Dienstleisten muss man geboren sein.“ Diese Geschichte aus Ueckermünde zeigt, dass echter Kundenservice noch existiert – wenn auch leider immer seltener.



