Die größten Betreiber regionaler Stromnetze in Deutschland haben im Jahr 2024 erneut hohe Renditen erzielt. Nach Angaben von Branchenkennern liegen die Gewinnmargen vieler Netzgesellschaften bei rund 24 Prozent – und das seit Jahren. Besonders brisant: Der Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze kommen nur schleppend voran, während die Unternehmen weiterhin satte Überschüsse einfahren.
Hohe Renditen trotz Netzproblemen
Die regionalen Netzbetreiber, die über lokale Monopole verfügen, kassieren demnach jährlich Milliardenbeträge von den Verbrauchern über die Netzentgelte. Diese Gebühren werden von der Bundesnetzagentur reguliert, doch offenbar bleiben den Unternehmen erhebliche Spielräume. Während die Netze vielerorts veraltet sind und der Ausbau für die Energiewende stockt, steigen die Gewinne der Betreiber kontinuierlich.
Kritiker werfen den Unternehmen vor, die hohen Renditen zulasten der Kunden zu erwirtschaften. „Die Netzbetreiber nutzen ihre Monopolstellung aus, um überhöhte Preise zu verlangen“, sagt ein Experte für Energiemärkte. Gleichzeitig würden notwendige Investitionen in die Infrastruktur vernachlässigt, was die Zuverlässigkeit der Stromversorgung gefährde.
Reformforderungen werden lauter
Angesichts der anhaltenden Probleme fordern Verbraucherschützer und Politiker eine Reform der Regulierung. Die Bundesnetzagentur müsse die Renditen der Netzbetreiber stärker begrenzen und Anreize für schnellere Investitionen setzen. Zudem wird diskutiert, ob die Netze nicht stärker in öffentlicher Hand bleiben oder zurückgeholt werden sollten, um die Gewinne für die Gemeinschaft zu nutzen.
Die hohen Renditen der Stromnetzbetreiber sind kein neues Phänomen. Bereits in den Vorjahren hatten die Unternehmen überdurchschnittliche Gewinne erzielt, während die Modernisierung der Netze hinterherhinkte. Mit der zunehmenden Bedeutung erneuerbarer Energien und der Notwendigkeit eines intelligenten Netzausbaus wird der Druck auf die Politik jedoch größer, endlich zu handeln.
Bis zu einer möglichen Reform bleibt den Verbrauchern vorerst nur die Hoffnung, dass die steigenden Netzentgelte nicht weiter die Strompreise in die Höhe treiben. Die Netzbetreiber selbst verweisen auf die hohen Investitionskosten und die Unsicherheiten der Energiewende, um die Renditen zu rechtfertigen. Ob diese Argumente auf Dauer tragen, bleibt fraglich.



