Évian-les-Bains – Friedrich Merz hat sich zum Auftakt des G7-Gipfels in Évian-les-Bains etwas Besonderes für Donald Trump einfallen lassen. Der Bundeskanzler überreichte dem US-Präsidenten ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft – passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Das Trikot trägt die Nummer 47, da Trump der 47. Präsident der Vereinigten Staaten ist, sowie den Namen „Trump“. Das Geschenk ist eine nachträgliche Geburtstagsüberraschung zum 80. Geburtstag des Präsidenten. Bereits am Sonntag hatte Merz eine handschriftliche Glückwunschkarte durch einen Boten in Washington überbringen lassen.
Erneute Annäherung nach Spannungen
Der Gipfel am Genfer See ist das erste persönliche Treffen zwischen Merz und Trump, nachdem der Kanzler im April mit Äußerungen über den Iran-Krieg für Verstimmung gesorgt hatte. Merz hatte damals gesagt, die USA seien von Iran „gedemütigt“ worden. Trump reagierte scharf und forderte Merz auf, sich um „sein kaputtes Land“ zu kümmern. Das Verhältnis zwischen beiden galt als schwer beschädigt. Merz hatte zuvor viel Mühe investiert, um ein gutes Verhältnis zu Trump aufzubauen, unter anderem mit zwei sorgfältig vorbereiteten Reisen nach Washington. Er wollte Trumps erster Ansprechpartner in Europa sein.
Trikot als Geste der Versöhnung
Das Trikot kam offenbar gut an: Trump zeigte es stolz in die Kameras. Politologe Benjamin Höhne kommentierte: „Trump zu umgarnen, ist sicherlich nie verkehrt. Aber an der Machtasymmetrie ändert sich dadurch nichts.“ Deutschland müsse in der transatlantischen Partnerschaft weiter kleinere Brötchen backen. Merz selbst hatte bereits Mitte Mai wieder mit Trump telefoniert, um die Wogen zu glätten.
Gipfel-Themen: Nahost und freie Schifffahrt
Beim G7-Gipfel will Trump nach Angaben aus Washington über das weitere Vorgehen im Nahen Osten sprechen, insbesondere über ein mögliches Rahmenabkommen. Auch eine Beteiligung deutscher Minenjagdboote bei der Räumung in der Straße von Hormus steht auf der Agenda. Merz sagte vor dem Abflug: „Wir wollen uns mit unseren Partnern bei der Gewährleistung freier Schifffahrt in der Straße von Hormus engagieren.“ Deutschland kann den USA hier praktische Unterstützung bieten – eine gute Gelegenheit, das Verhältnis zu verbessern. Allerdings war der französische Präsident Emmanuel Macron mit einem ähnlichen Angebot zuvor bei Trump abgeblitzt. Trump meinte dazu: „Ich denke, wir brauchen nicht viel Hilfe, da wir ja ein Abkommen haben.“ Und fügte hinzu: „Vielleicht ist es aber keine schlechte Idee, ein, zwei Schiffe von einigen Ländern dortzuhaben.“



