Der Berliner Online-Modehändler Zalando hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt. Sowohl Umsatz als auch Gewinn blieben hinter den Prognosen zurück. Zudem belasteten die Kosten für die Integration des übernommenen Wettbewerbers About You das operative Ergebnis. Die Aktie reagierte vorbörslich mit einem deutlichen Kursrutsch.
Zalando senkt Jahresprognose
Europas größter Online-Modehändler zeigte sich am Dienstag zurückhaltender für das Gesamtjahr. Das Wachstum des Brutto-Warenvolumens (GMV) und des Konzernumsatzes werde voraussichtlich am unteren Ende der angepeilten Spanne von zwölf bis 17 Prozent liegen. Die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) engte das Unternehmen auf 680 bis 720 Millionen Euro ein, nachdem zuvor 660 bis 740 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden waren.
„Die Konkretisierung der Jahresprognose spiegelt die Ergebnisse des ersten Halbjahres wider und keine geänderten Erwartungen für den Rest des Jahres“, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage. Damit versucht Zalando, die Anleger zu beruhigen, dass die Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr stabil bleiben dürfte.
Aktie bricht ein – Kursgewinne dahin
Am vorbörslichen Handel auf Tradegate sackte der Kurs um rund elf Prozent auf 25,90 Euro ab, verglichen mit dem Xetra-Schlusskurs vom Montag. Damit wäre ein Teil der seit Mitte Mai verbuchten Kursgewinne wieder zunichte gemacht. Seit dem Tief im April hatte die Aktie deutlich zugelegt, getragen von der Hoffnung auf eine Erholung des Online-Handels.
Die enttäuschenden Zahlen könnten nun die Stimmung nachhaltig trüben. Analysten hatten im Vorfeld mit einem stärkeren Wachstum gerechnet. Die tatsächlichen Zahlen lagen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn unter den Konsensschätzungen.
Zweites Quartal: Wachstum, aber Marge unter Druck
Im abgelaufenen Quartal wuchsen GMV und Umsatz jeweils um knapp 21 Prozent auf 4,92 beziehungsweise 3,42 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war vor allem das Geschäft mit Firmenkunden, das überproportional zulegte. Das bereinigte Betriebsergebnis verbesserte sich um rund zehn Prozent auf 204,8 Millionen Euro – blieb aber hinter den Erwartungen zurück.
Die Kosten für die Integration des übernommenen Konkurrenten About You drückten auf die Marge. Zalando hatte die Übernahme im vergangenen Jahr abgeschlossen und baut das Geschäft nun schrittweise in die eigene Plattform ein. Die Integration verursacht höhere Aufwendungen, die sich im operativen Ergebnis niederschlagen.
Ausblick und weitere Entwicklungen
Das Unternehmen bekräftigte seine mittelfristigen Ziele, zeigte sich aber für das laufende Jahr vorsichtiger. Neben der Integration von About You belasten auch die allgemeine Konsumzurückhaltung und der Wettbewerbsdruck im Online-Handel die Geschäfte. Zalando hatte zuletzt außerdem angekündigt, weitere Stellen zu streichen und einen neuen Standort in Rumänien zu eröffnen.
Die Aktie notiert damit wieder auf einem Niveau, das zuletzt im Frühjahr erreicht worden war. Ob sich der Kurs stabilisieren kann, hängt auch davon ab, ob das Unternehmen im zweiten Halbjahr die Erwartungen erfüllen kann. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob die gesenkte Prognose nur eine Vorsichtsmaßnahme war oder ob sich das Wachstum tatsächlich abschwächt.



