Koalition bereitet Zivildienst für den Fall der Wehrpflicht-Rückkehr vor
Koalition bereitet Zivildienst vor

Die Bundesregierung bereitet sich offenbar intensiv auf die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht vor. Wie der neue Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Thorsten Frei, im ntv-Format „Frühstart“ bestätigte, arbeitet das Bundesfamilienministerium an der Schaffung eines modernen Zivildienstes. Dieser soll als Ersatzdienst greifen, falls die Wehrpflicht reaktiviert wird.

Ministerium befragt Verbände zu Kapazitäten

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in den vergangenen Monaten 23 große Verbände und Organisationen befragt, welche Kapazitäten sie im Falle einer Rückkehr zur Wehrpflicht für Wehrdienstverweigerer bereitstellen könnten. Das berichtete die „Bild“-Zeitung. Ein Ministeriumssprecher bestätigte gegenüber der Zeitung: „22 der 23 Verbände gaben an, dass ihre Infrastrukturen und Einsatzstellen grundsätzlich bereit wären, im Falle einer Reaktivierung einer Wehrpflicht Wehrersatzdienstleistenden ein vielfältiges Angebot zu machen.“

Der Sprecher betonte: „Zwar gibt es keinen Zivildienst, solange wir keine Wehrpflicht haben. Aber falls die Wehrpflicht einmal nötig werden sollte, müssen wir die Basis für einen modernen Zivildienst schon vorbereitet haben.“ Das Ministerium plant, die Pläne offiziell nach der Sommerpause vorzustellen.

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Frei: Vorbereitung ist „klug und richtig“

Thorsten Frei verteidigte die Vorbereitungen der Regierung. „Für den Fall, dass es zu einer Wiedereinführung einer Wehrpflicht käme, müsste es ja auch einen entsprechenden Ersatzdienst geben. Und dass sich das Bundesfamilienministerium mit allen Eventualitäten darauf vorbereitet und auch auf unterschiedliche Situationen und Szenarien vorbereitet, ist, glaube ich, sehr klug und richtig“, sagte der Unionsfraktionschef in der ntv-Sendung.

Auf die Frage, ob es in der schwarz-roten Koalition neue Bewegung in der Wehrdienstdebatte gebe, antwortete Frei: „Nein, da gibt es keine neue Diskussion und auch keinen neuen Diskussionsstand. Aber nichtsdestotrotz muss sich eine Bundesregierung natürlich auf unterschiedliche Eventualitäten vorbereiten. Und für den Fall der Fälle kann man ja nie ausschließen, dass Entscheidungen schnell getroffen werden müssten. Dann müssen auch die sich daraus ergebenden Konsequenzen klar sein.“

Wehrpflicht seit 2011 ausgesetzt

Die Wehrpflicht war in Deutschland im Juli 2011 ausgesetzt worden, was in der Praxis einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleichkam. Anstelle des Zivildienstes wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Seit Anfang dieses Jahres greift ein neuer Wehrdienst. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Deutschland reagierte damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden.

Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt stark an

Vor diesem Hintergrund steigt die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung stark an. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gingen bereits 5862 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zuvor unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde berichtete. Im gesamten Jahr 2025 hatten in Deutschland 3867 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, 2024 waren es 2998.

Hintergrund: Aktuelle Debatte um Wehrpflicht

Die Diskussion um eine Rückkehr zur Wehrpflicht war durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine neu entfacht worden. Die Bundeswehr leidet unter Personalmangel, und die Nato hat ihre Zielvorgaben für die Truppenstärke erhöht. Die Bundesregierung setzt zunächst auf Freiwilligkeit, schließt aber eine Pflicht nicht aus. Die Vorbereitungen für einen Zivildienst sind ein weiterer Baustein in dieser Debatte.

Die Verbände, die sich bereit erklärt haben, könnten künftig Einsatzstellen für Zivildienstleistende in Bereichen wie Pflege, Sozialarbeit oder Katastrophenschutz bereitstellen. Einzelheiten zu den geplanten Kapazitäten und Einsatzmöglichkeiten will das Ministerium nach der Sommerpause bekannt geben.

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