Immobilienkauf trotz knapper Kasse? Parchimer Makler rät zum Abwarten
Der Erwerb einer Immobilie will aktuell gut geplant sein – insbesondere für junge Menschen und Familien in der Region Parchim. Der Immobilienmarkt im Kreis Ludwigslust-Parchim zeigt sich nach wie vor recht angespannt, obwohl das Angebot außerhalb der Städte mannigfaltig ist. Eigentum statt Miete bleibt für viele erstrebenswert, doch die Realisierung gestaltet sich oft schwierig.
Makler empfiehlt Geduld und solide finanzielle Basis
Roland Mauder, ein erfahrener Immobilienmakler aus Parchim, gibt Interessenten einen wichtigen Rat: „Ein Monats-Nettoeinkommen von 5000 Euro und rund 15.000 Euro als Grundkapital für die Nebenkosten sollten Kaufinteressenten heute schon vorweisen können, damit so ein Kauf auf einer soliden Basis steht.“ Der Fachmann rät momentan noch zum Abwarten, denn „der Generationswechsel bringt viele Objekte hervor, gerade auf dem Land, und das wird die nächsten zwei, drei Jahre noch richtig Fahrt aufnehmen.“ Dadurch würden sich die Preise wieder normalisieren, „denn momentan sind sie eigentlich noch viel zu hoch“, betont Mauder.
Studie zeigt: Nestbauer-Generation wird zur Verlierer-Generation
Nach einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts leben derzeit mehr als 31.000 Menschen der Altersgruppe zwischen 25 und 40 Jahren im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Matthias Günther vom Pestel-Institut erklärt: „Die eigenen vier Wände rangieren bei diesen Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade sie können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten.“ Viele seien dauerhaft auf Mietwohnungen angewiesen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Günther weiter.
Im Landkreis gibt es rund 56.000 Wohnungen, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. Die Studie ermittelte eine Wohneigentumsquote von 53,4 Prozent, was deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 43,5 Prozent liegt. Dennoch ist Deutschland im Europa-Vergleich ein „Mieter-Land“ und landet beim Ranking zum Wohneigentum nur auf dem vorletzten Platz.
Experten fordern neue Förderprogramme und zinsgünstige Darlehen
Katharina Metzger, Verbandspräsidentin vom Bund Deutscher Baumeister, kritisiert die aktuelle Politik: „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt.“ Sie fordert ein neues Förderprogramm, das Familien und Durchschnittsverdiener entlastet. „Notwendig sind direkte Zuschüsse. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener im Kreis Ludwigslust-Parchim in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: ein Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum.“
Neben Zuschüssen müsse auch ein Niedrigzinsprogramm aufgelegt werden. „Wer Wohneigentum anschaffen will, muss in die Lage versetzt werden, dies auch mit nur wenig Eigenkapital zu schaffen“, betont Metzger. Gleichzeitig erfordere dies finanzielle Disziplin: „Das bedeutet dann aber auch, den Gürtel enger zu schnallen. Von Urlaubsreisen bis zum Autokauf: Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen.“
Der Baustoff-Fachhandel und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) unterstützen diese Forderungen. Hannes Zapf, Vorsitzender der DGfM, unterstreicht: „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben. Wer sich heute entscheidet, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates steht.“
Wohneigentum als „steinerne Rente“ im Alter
Wohneigentum biete besonders im Alter viele Vorteile. Zapf erklärt: „Als bewohnbare Rente – als ein Stück ‚Rente in Stein‘ nämlich.“ Vor allem für die Babyboomer sei dies relevant, da ihre Renten geringer ausfallen würden. Günther warnt: „Die Babyboomer gehen jetzt nach und nach in Rente. Damit haben sie deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibt aber oder steigt sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm.“ Seiner Ansicht nach ist „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“. Wer jedoch Eigentum besitze, komme finanziell deutlich besser über die Runden.



