Nach der tödlichen Attacke auf einen Zugbegleiter in Landstuhl fordern Politik, Gewerkschaften und Bahn-Management einen besseren Schutz für das Personal. Die Zahl der Übergriffe steigt seit Jahren: 2025 registrierte die Deutsche Bahn über 3000 Angriffe auf ihre Mitarbeiter – das sind etwa acht pro Tag. Jeder zweite Angriff ereignet sich im Regionalverkehr, ein Drittel trifft Sicherheitskräfte.
Justizministerin prüft schärfere Strafen für Angriffe
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, dass ihr bereits 2025 vorgelegter Gesetzentwurf zur Verschärfung der Strafen für Angriffe gegen besonders exponierte Berufsgruppen auch Zugbegleiter umfassen solle. „In dem Rahmen prüfen wir auch, ob sich noch Anpassungen an dem Entwurf empfehlen, damit das besondere Unrecht von Angriffen gegen besonders gefährdete Berufsgruppen wie Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter noch besser abgebildet wird“, sagte Hubig unserer Redaktion. Die Tat habe sie sehr schockiert.
Bahn setzt auf Bodycams und Deeskalationstraining
Die Deutsche Bahn stattet ihre Mitarbeiter auf Wunsch mit Bodycams aus und bietet eine App zur Meldung von Vorfällen. Rund 20.000 Beschäftigte erhalten alle zwei Jahre ein Deeskalationstraining, Sicherheitskräfte zusätzlich ein Training zur körperlichen Verteidigung. Derzeit arbeiten 4500 DB-Sicherheitskräfte mit 6000 Bundespolizisten zusammen. Die Bahn gibt jährlich 200 Millionen Euro für die Sicherheit von Fahrgästen und Personal aus. Ein Bahn-Sprecher betonte jedoch: „Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz.“
Gewerkschaften fordern Doppelbesetzung und Notfallknöpfe
Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der DB Regio, Ralf Damde, verlangt neue Sicherheitskonzepte, Bodycams mit Tonaufzeichnung und Armbanduhren mit Notfallknopf. EVG-Chef Martin Burkert fordert Doppelbesetzungen im Zug: „Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen.“ Laut Burkert haben bereits 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter verbale oder körperliche Angriffe erlebt.
Politiker fordern höhere Strafen und Sicherheitsgipfel
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) führte Gespräche mit Arbeitnehmervertretern und dem DB-Vorstand. „Wie können wir mehr Präsenz zeigen?“, fragte er. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verlangte höhere Strafen: „Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer fordert eine Sondersitzung der Verkehrsminister. Bahnchefin Evelyn Palla will einen Sicherheitsgipfel mit Bahn, Gewerkschaften, Bund und Ländern einberufen. Der „Bild“ sagte sie: „Unser Kollege Serkan wurde Opfer sinnloser Gewalt – jetzt müssen wir handeln!“
Prozess gegen mutmaßlichen Täter beginnt
Knapp fünf Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf den 36-jährigen Zugbegleiter Serkan C. in einem Regionalexpress bei Landstuhl beginnt am 24. Juni der Prozess gegen den 26-jährigen Tatverdächtigen. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes angeklagt, das Landgericht Zweibrücken wertet die Tat jedoch als Körperverletzung mit Todesfolge. Der Zugbegleiter hatte den Schwarzfahrer zum Verlassen des Zuges aufgefordert, woraufhin dieser ihn mit Faustschlägen angriff. Serkan C. war alleinerziehend und hinterlässt zwei Kinder.



