Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind so gut gefüllt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Bestand an offenen Bestellungen wuchs im Mai um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das war der stärkste Anstieg seit September 2021, als es Nachholeffekte wegen der Corona-Pandemie gab. Damit sind die Auftragsbücher aktuell so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legten die Bestellungen um 9,5 Prozent zu und damit so kräftig wie seit August 2022 nicht mehr.
Experten warnen vor übermäßiger Euphorie
Experten warnen trotz der positiven Nachrichten aus der zuletzt gebeutelten Industrie vor Euphorie. "Der hohe Bestand hat nur dann einen Wert, wenn er sich in die Produktion überträgt", sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Die Unternehmen dürften hier trotz des Reformpakets der Regierungskoalition aber eher zurückhaltend bleiben. Standortbedingungen und gestiegene Energiepreise würden auf die Stimmung drücken. Viele Unternehmen produzierten auch immer mehr im Ausland als hierzulande. "Auch wegen der neuerlichen Spannungen in Nahost dürften sich Aufträge vorerst weiter stapeln", fügte Krüger hinzu. "Lieferengpässe bremsen die Produktion."
Reichweite des Auftragsbestands auf Höchstwert
Die Reichweite des Auftragsbestands stieg im Mai auf 8,9 Monate – das ist ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der Statistik 2015. Der Wert gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten.
Maschinenbau als Treiber der positiven Entwicklung
Die positive Entwicklung des Auftragsbestands geht wesentlich auf den Maschinenbau zurück. Hier gab es im Mai ein Plus von 3,3 Prozent zum Vormonat. Auch der Anstieg bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen von 3,0 Prozent wirkte sich positiv aus. In der Automobilindustrie sank der Auftragsbestand dagegen um 0,8 Prozent.



