Die zweite Halle des neuen ICE-Instandhaltungswerks in Cottbus soll im Februar 2027 den Betrieb aufnehmen. Das gab die Deutsche Bahn bekannt. Der Bau liege voll im Zeitplan. Die Instandhaltung des ICE 4 werde in der neuen Halle künftig rund drei Wochen dauern – nur halb so lang wie an anderen Standorten. Die Bahn bezeichnet das Werk als „wichtigen Meilenstein“ für den Strukturwandel in der Lausitz, wo ab 2038 kein Strom mehr aus Braunkohle erzeugt wird. Der Staat gibt Milliardenhilfen zur Abfederung.
Woidke: „Riesengroßer Erfolg“ für Cottbus
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke wertet das Projekt als „riesengroßen Erfolg“. „Dass jetzt hier wieder in Bahn investiert wird und wir jetzt 1.200 neue Industriearbeitsplätze herbekommen, das ist schon was ganz Besonderes“, sagte der SPD-Politiker. Es sei „immens wichtig“, dass das große Gelände mitten in Cottbus wieder industriell genutzt werde. Zudem sei es von Bedeutung, bei klimaneutraler Mobilität voranzukommen.
Halbstundentakt Berlin–Cottbus geplant
Parallel zum Bahnwerk soll der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Lübbenau und Cottbus die Grundlage für einen Halbstundentakt im Regionalverkehr zwischen Berlin und Cottbus schaffen. Der Baustart ist für Dezember 2026 geplant, erste Züge sollen ab Ende 2027 rollen. Wegen des Ausbaus wird die Bahnstrecke zwischen Cottbus und Lübbenau von Ende 2026 an für ein Jahr gesperrt.
Die Bahn nahm im Januar 2024 in Cottbus das ICE-Instandhaltungswerk in Betrieb; die zweite Werkshalle ist jetzt im Bau. Von den benötigten 1.200 Arbeitskräften sind nach Woidkes Angaben bereits 700 Menschen eingestellt – es fehlen noch 500. Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg baut ihr Studienangebot aus, um auf den Fachkräftebedarf zu reagieren. Ab dem Wintersemester 2026/27 können Studierende im Bauingenieurwesen eine neue Studienoption mit Schwerpunkt Schiene/Bahn wählen.
Schatten über Cottbus: Rechte Anschlagsserie
Der Regierungschef sieht nach einem weiteren mutmaßlichen Anschlag aus dem rechtsextremistischen Bereich weitreichende Folgen. „Für das, was wir in Cottbus vorhaben, ist das Ganze eine Katastrophe“, sagte Woidke. Er kritisierte, dass mutmaßliche Gewalttäter aus dem rechtsextremen Bereich „diese Stadt mit Dreck beschmeißen“. „Das ist das Bild, was wir überhaupt nicht brauchen. Wir sind hier auf dem Weg in die Zukunft, nicht nur mit dem Bahnwerk, sondern auch mit der Unimedizin.“
In der Nacht zum Donnerstag waren Molotow-Cocktails auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus geworfen worden. Staatsschutz und Mordkommission ermitteln wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden tatverdächtigen Täter aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammen. In den vergangenen Monaten gab es bereits eine Serie rechter Straftaten.



