Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland hat im zweiten Quartal 2024 den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreicht. Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte, wurden von April bis Ende Juni 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum ersten Quartal und ist der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2005.
Breite Betroffenheit in allen Branchen
Besonders hohe Werte gab es im Juni in Nordrhein-Westfalen und Hessen. „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Lage ist schwierig: Die Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite.“ Viele Branchen und Regionen seien gleichzeitig betroffen. Auch für das dritte Quartal sei mit höheren Insolvenzzahlen als im Vorjahr zu rechnen.
Höchstwerte in fast allen großen Branchen
Im zweiten Quartal wurden in fast allen großen Branchen Höchstwerte erreicht, darunter im Baugewerbe, im Grundstücks- und Wohnungswesen, im Handel, im Gastgewerbe und in den Dienstleistungen. Eine der wenigen Ausnahmen sei das verarbeitende Gewerbe. Auch andere Daten deuten auf eine anhaltend schwierige Lage hin: Das Statistische Bundesamt meldete für das erste Quartal 2024 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 6,5 Prozent im Jahresvergleich. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldete für das erste Halbjahr mit 12.900 Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit 2013.
Unterschiedliche Erhebungsmethoden
Im Gegensatz zu anderen Statistiken analysiert das IWH nur Daten zu Personen- und Kapitalgesellschaften und nicht zu Kleinstunternehmen. Dies erklärt teilweise die unterschiedlichen Zahlen. Die anhaltend hohe Insolvenzwelle zeigt die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft, die unter anderem unter hohen Energiepreisen, Fachkräftemangel und schwacher Nachfrage leidet. Eine Trendwende ist bislang nicht in Sicht.



