Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen. Laut einer Erhebung des Verbands der Vereine Creditreform gab es 12.900 Pleiten – 7,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Schadenssumme belief sich auf rund 28,5 Milliarden Euro, rund 165.000 Arbeitsplätze waren betroffen.
Strukturelle Krise und geopolitische Belastung
„Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde“, erläutert Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung. Der erhoffte Konjunkturaufschwung sei durch die monatelange Blockade der Straße von Hormus bisher ausgeblieben.
Creditreform erwartet, dass der Pleite-Höhepunkt noch nicht erreicht ist. „Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027“, erklärt Hantzsch. Insolvenzgläubiger, darunter Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger, mussten „überdurchschnittlich hohe Ausfälle“ hinnehmen.
Großunternehmen und junge Firmen besonders betroffen
Einen überdurchschnittlichen Anstieg der Pleitezahlen um 28,6 Prozent verzeichnet Creditreform bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Betroffen waren etwa der Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland. Auch bei jungen Unternehmen gab es deutlich mehr Insolvenzen: Bis zu zwei Jahre nach der Gründung gaben 1.140 Gründer auf – 25,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. „Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, sagt Hantzsch.
Verbraucherinsolvenzen steigen moderat
Immer mehr Privathaushalte geraten in finanzielle Not: Im ersten Halbjahr 2026 zählte Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als in den beiden Vorjahren. „Zwar belasten die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Verbraucher, der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch immer noch weitgehend robust, auch wenn zunehmend insbesondere im verarbeitenden Gewerbe gut bezahlte Stellen abgebaut wurden“, analysiert die Auskunftei.
Amtliche Bestätigung des Trends
Für das erste Quartal 2026 meldeten die Amtsgerichte laut Statistischem Bundesamt 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen – 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr 2025 waren amtlichen Zahlen zufolge 24.064 Unternehmen in die Pleite gerutscht, so viele wie seit 2014 nicht. Bereits 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugelegt, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Coronapandemie ausgelaufen waren, die vielen Betrieben das Überleben gesichert hatten.



