Beim Maschinenbauer Grob in Mindelheim zeichnet sich eine Einigung im Ringen um den Erhalt von Arbeitsplätzen ab. Wie die „Augsburger Allgemeine“ erfahren hat, sollen die Beschäftigten auf einen zweistelligen Millionenbetrag verzichten, um Standort und Jobs zu sichern. Das von der Unternehmensleitung vorgelegte Konzept sieht Einbußen von bis zu 20 Prozent beim Gehalt vor – verbunden mit der Zusage, betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 auszuschließen.
Einsparungen von bis zu 20 Prozent
Nach Informationen der Redaktion haben sich Arbeitgeber und Betriebsrat auf ein Maßnahmenpaket verständigt, das eine Laufzeit von drei Jahren vorsieht. Insgesamt geht es um ein Volumen von rund 60 Millionen Euro, das die Belegschaft beisteuern soll. Konkret bedeutet das: Je nach Einkommensgruppe müssen die rund 2.300 Mitarbeiter am Hauptsitz auf zwischen 10 und 20 Prozent ihres Bruttogehalts verzichten. Zudem sollen Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld gekürzt oder ganz gestrichen werden.
Im Gegenzug will das Unternehmen eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2026 aussprechen. „Wir wollen mit diesem Paket die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts langfristig sichern“, sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. Der Betriebsrat zeigte sich in ersten Stellungnahmen erleichtert, dass eine Einigung in Sicht ist, betonte aber, dass die endgültige Zustimmung der Belegschaft noch ausstehe.
Hintergrund: Schwierige Auftragslage
Der Schritt ist eine Reaktion auf die anhaltend schwache Auftragslage im Maschinenbau. Vor allem das Geschäft mit Elektroautos, für die Grob Fertigungsanlagen liefert, war zuletzt eingebrochen. Der Auftragseingang lag im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem weiteren Rückgang. Ohne Gegenmaßnahmen drohte ein Verlust von mehreren hundert Arbeitsplätzen.
Die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern hatten sich über Monate hingezogen. Zeitweise standen die Zeichen auf Konfrontation: Die Arbeitnehmerseite hatte mit Warnstreiks gedroht, die Unternehmensleitung hatte bereits eine Kündigungswelle angekündigt. Nun deutet vieles auf einen Kompromiss hin.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Die Nachricht stößt in der Region auf geteiltes Echo. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte das geplante Paket einen „Schritt in die richtige Richtung“, mahnte aber, dass die Einschnitte für die Beschäftigten schmerzhaft seien. Der Mindelheimer Oberbürgermeister Dr. Stephan Winter (CSU) zeigte Verständnis für beide Seiten: „Es ist besser, mit Einbußen Arbeitsplätze zu sichern, als ohne Einbußen Arbeitsplätze zu verlieren.“
Gewerkschaftsvertreter äußerten sich zurückhaltender. „Die Lasten werden einseitig auf die Beschäftigten abgewälzt“, kritisierte ein IG-Metall-Sekretär. Man werde die endgültigen Modalitäten genau prüfen und notfalls nachbessern.
Alternativen und Zukunftsperspektiven
Unternehmenskreisen zufolge wurden auch andere Optionen geprüft, etwa der Verkauf von Teilen des Geschäfts oder die Verlagerung von Produktion ins Ausland. Diese seien jedoch verworfen worden, da sie den Standort langfristig geschwächt hätten. Stattdessen setzt das Unternehmen auf eine Mischung aus Kurzarbeit, Altersteilzeit und dem befristeten Gehaltsverzicht.
Mittelfristig erhofft sich die Geschäftsleitung eine Erholung des Marktes für Elektromobilität. „Wir investieren weiter in neue Technologien, etwa in die Fertigung von Batteriezellen“, so der Sprecher. Auch das Thema Wasserstoff spiele eine wachsende Rolle. Die Belegschaft soll über regelmäßige Informationsveranstaltungen auf dem Laufenden gehalten werden.
Ausblick: Entscheidung im Juni
Die endgültige Entscheidung über das Paket sollen die Mitarbeiter in einer Versammlung im Juni treffen. Dort wird auch über die genaue Ausgestaltung abgestimmt. Sollten die Beschäftigten zustimmen, könnte das Paket bereits im Juli in Kraft treten. Bis dahin bleiben die Gespräche zwischen den Parteien vertraulich.
Beobachter rechnen mit einer knappen Mehrheit für das Konzept, da die Alternative – ein massiver Stellenabbau – für viele noch bedrohlicher wäre. „Die Belegschaft steht vor der Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagte ein Betriebsratsmitglied. Man werde aber versuchen, die Auflagen für die Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.



