Die Zahl der Sorgerechtsübertragungen in Hamburg ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Wie das Statistikamt Nord mitteilte, ordneten die Familiengerichte der Hansestadt für insgesamt 546 Kinder und Jugendliche eine vollständige oder teilweise Übertragung der elterlichen Sorge an. Dies entspricht einem Anstieg von 72 Fällen beziehungsweise 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Vollständiger oder teilweiser Entzug
In 49 Prozent der Fälle wurde die elterliche Sorge vollständig entzogen, in 51 Prozent handelte es sich um eine teilweise Übertragung. Die Entscheidungen erfolgten stets zum Wohl des Kindes, wie die Behörde betonte. Laut Statistik waren 36 Prozent der betroffenen Minderjährigen jünger als sechs Jahre, während 44 Prozent zwischen sechs und 14 Jahren alt waren.
Gründe für den Sorgerechtsentzug
Der Entzug oder die Einschränkung des Sorgerechts ist nach Angaben der Statistiker nur dann zulässig, wenn eine Gefahr für das Wohl des Kindes auf andere Weise nicht abgewendet werden kann. In solchen Fällen kann die elterliche Sorge auf das Jugendamt oder eine dritte Person übertragen werden. Diese Maßnahme greift insbesondere bei Vernachlässigung, Misshandlung oder anderen schwerwiegenden Gefährdungen.
Entwicklung und Ausblick
Die Zunahme der Sorgerechtsübertragungen könnte auf eine erhöhte Sensibilität der Gerichte und Behörden hinweisen. Fachleute vermuten, dass auch die Folgen der Pandemie und gestiegene psychische Belastungen in Familien eine Rolle spielen könnten. Eine offizielle Stellungnahme des Statistikamts Nord liegt zu diesem Thema nicht vor.



