Hensoldt baut neues Entwicklungszentrum bei Stuttgart
Hensoldt: Neues Entwicklungszentrum bei Stuttgart

Der Rüstungskonzern Hensoldt plant ein neues Entwicklungszentrum bei Stuttgart. Das gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. In Kirchheim unter Teck, etwa 30 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt, sollen auf einem ehemaligen Militärgelände modernste Labore und Büros entstehen. Insgesamt investiert Hensoldt nach eigenen Angaben rund 400 Millionen Euro in den Standort. Bis 2028 sollen dort rund 700 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Hintergrund: Wachstum durch Rüstungsboom

Hensoldt ist einer der führenden europäischen Anbieter von Sensorlösungen und Elektronik für die Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Taufkirchen bei München profitiert seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine von einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Rüstungsgütern. Die Bundeswehr und ihre Partnerländer benötigen dringend moderne Aufklärungssysteme, Radargeräte und Elektronik für Kampfjets und Panzer.

Der neue Standort in Kirchheim unter Teck soll sich auf die Entwicklung von Zukunftstechnologien konzentrieren. Dazu zählen laut Hensoldt unter anderem künstliche Intelligenz, elektronische Kampfführung und vernetzte Sensorik. „Mit dem neuen Entwicklungszentrum schaffen wir die Voraussetzungen, um unsere Innovationskraft weiter auszubauen und unseren Kunden auch in Zukunft hochmoderne Lösungen anzubieten“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

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Details zum Standort

Das Gelände in Kirchheim unter Teck war früher Teil einer Kaserne der Bundeswehr. Die Stadt hatte das Areal zuletzt als Gewerbegebiet ausgewiesen. Hensoldt will dort auf einer Fläche von rund 100.000 Quadratmetern ein modernes Campus-Areal errichten. Geplant sind neben Büros und Laboren auch Testeinrichtungen für elektronische Systeme sowie ein Besucherzentrum.

Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Die ersten Mitarbeiter könnten bereits 2026 einziehen, die vollständige Fertigstellung ist für 2028 geplant. Hensoldt rechnet damit, dass der Standort langfristig auf bis zu 1.000 Arbeitsplätze ausgebaut werden kann.

Reaktionen aus der Politik

Die Ankündigung stößt in der Region auf positive Resonanz. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sprach von einer „hervorragenden Nachricht für den Wirtschaftsstandort“. Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader erklärte, die Stadt freue sich über die Investition und werde das Projekt „mit aller Kraft unterstützen“.

Neben dem neuen Standort in Kirchheim unter Teck betreibt Hensoldt in Baden-Württemberg bereits Werke in Ulm und Oberkochen. In Ulm arbeiten rund 2.000 Menschen an Radarsystemen für den Eurofighter und andere Plattformen. Das neue Entwicklungszentrum soll die bestehenden Kapazitäten ergänzen und den Austausch zwischen den Standorten fördern.

Bedeutung für die Region

Die Ansiedlung von Hensoldt ist ein weiteres Zeichen für die Stärke der Region Stuttgart als Hightech-Standort. In der Nähe von Kirchheim unter Teck sind zahlreiche Automobilzulieferer und Maschinenbauer ansässig. Der Zuzug von Rüstungsunternehmen sorgt jedoch auch für Diskussionen, da die Branche in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik stand.

Hensoldt verweist darauf, dass die Produkte ausschließlich für Verteidigungszwecke entwickelt werden und strengen Exportkontrollen unterliegen. Das Unternehmen betont zudem, dass der neue Standort auch zivile Anwendungen ermöglichen werde, etwa im Bereich der Luft- und Raumfahrt oder der Cybersicherheit.

Ausblick

Der Bau des Entwicklungszentrums ist Teil einer umfassenden Wachstumsstrategie von Hensoldt. Der Konzern will seinen Umsatz bis 2025 auf rund zwei Milliarden Euro steigern. Dazu sollen auch Übernahmen und Partnerschaften beitragen. Erst im vergangenen Jahr hatte Hensoldt den spanischen Sensorhersteller Indra übernommen.

Die Geschäfte laufen gut: Im ersten Halbjahr 2024 konnte Hensoldt den Auftragseingang um 35 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro steigern. Der Umsatz legte um 18 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen profitiert von den milliardenschweren Sondervermögen der Bundeswehr und den Rüstungsprogrammen der Nato-Staaten.

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