Hofbrauhaus Wolters meldet Insolvenz an: Fast 400 Jahre alte Brauerei pleite
Hofbrauhaus Wolters insolvent: Traditionsbrauerei nach fast 400 Jahren pleite

Die Hofbrauhaus Wolters GmbH aus Braunschweig, eine der ältesten Brauereien Deutschlands, hat Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. Die Wurzeln des Traditionsunternehmens reichen bis ins Jahr 1627 zurück – fast 400 Jahre deutsche Brauereigeschichte. Der schrumpfende Bierabsatz und gestiegene Produktions-, Energie- und Logistikkosten waren nicht mehr zu stemmen.

Bierkrise in Deutschland fordert immer mehr Opfer

Deutschland steckt in einer anhaltenden Bierkrise, die in letzter Zeit wöchentlich Opfer unter den Brauereien fordert. Bereits 2025 ging der Bierkonsum in Deutschland um 5,8 Prozent zurück, und in diesem Jahr sinkt er weiter. Erst vor Kurzem meldete die Aktienbrauerei Kaufbeuren, eine der ältesten Brauereien im Allgäu, Insolvenz an – 84 Mitarbeiter bangen dort um ihre Jobs. Kurz zuvor musste eine schwäbische Traditionsbrauerei Insolvenz anmelden. Nun trifft es auch das Hofbrauhaus Wolters in Niedersachsen.

Gründe für die Pleite: Hohe Kosten und sinkender Absatz

Dem Hofbrauhaus machen vor allem der rückläufige Bierabsatz sowie höhere Produktions- und Energiekosten zu schaffen. Auch die Logistikkosten steigen. Das Geld kommt nicht mehr rein, sodass nur noch der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung blieb. Trotzdem soll der Betrieb weiterlaufen. Die Verantwortlichen wollen das Unternehmen grundlegend neu ausrichten.

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Experten sehen Chancen für Sanierung

„Ziel ist die strategische Sanierung unter uneingeschränkter Fortführung des Geschäftsbetriebes“, erklärt Wirtschaftsprüfer Hendrik Mysegades von der Beratungsgesellschaft Eckert Assurance, die die Sanierung begleitet. Rechtsanwalt Kimon Kantis von der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte sieht eine Chance: „Wolters ist ein traditionsreiches und regional stark verwurzeltes Unternehmen. Ein Eigenverwaltungsverfahren eröffnet dem Unternehmen nun die Chance, den strukturellen Herausforderungen der Branche nachhaltig zu begegnen.“

Zukunftspläne: Regionaler Fokus und alkoholfreie Getränke

Für die Zukunft plant Wolters eine stärkere Konzentration auf den regionalen Markt in Niedersachsen. Zudem soll das Angebot um alkoholfreie Getränke erweitert werden. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Torsten Gutmann von der Kanzlei Pluta bestellt, der das Insolvenzverfahren im Interesse der Gläubiger begleitet.

Was die Insolvenz für die Mitarbeiter bedeutet

Die Mitarbeiter wurden bereits über das Verfahren informiert. Die Löhne und Gehälter sind gesichert – allerdings als staatliches Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit vorerst nur für drei Monate. Die Angst um die Arbeitsplätze ist groß. Laut Deutschem Brauer-Bund gaben in den vergangenen sechs Jahren 137 deutsche Brauereien auf. Auch Großbrauereien schließen Standorte: Oettinger machte in Braunschweig dicht, der Warsteiner-Konzern will den Standort in Paderborn verkaufen und schließt die Herforder Brauerei in Hiddenhausen.

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