Die IG Metall verschärft den Ton im Tarifkonflikt mit Volkswagen. Sollte der Autobauer seine geplanten Sparmaßnahmen nicht zurücknehmen, droht die Gewerkschaft mit Streiks. „Wir lassen nicht zu, dass die Belegschaft für die Fehler des Managements bezahlen muss“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, am Donnerstag in Hannover.
Volkswagen plant drastische Einsparungen
Volkswagen hatte zuvor angekündigt, in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro einsparen zu wollen. Betroffen sind vor allem die deutschen Standorte, an denen Stellen gestrichen und Werke möglicherweise geschlossen werden könnten. Konkret soll die Belegschaft in den nächsten fünf Jahren um rund 5.000 Mitarbeiter schrumpfen, vor allem durch Altersteilzeit und Abfindungen. Zudem sollen die verbleibenden Beschäftigten auf Gehaltserhöhungen verzichten.
Die IG Metall lehnt diese Pläne entschieden ab. „Wir werden nicht zulassen, dass Volkswagen die Krise auf dem Rücken der Arbeitnehmer austrägt“, betonte Gröger. Die Gewerkschaft fordert stattdessen eine Ausweitung der Kurzarbeit und staatliche Hilfen, um die Produktion zu stabilisieren. „Es gibt genug Geld im Unternehmen, um die Krise zu bewältigen, ohne die Belegschaft zu belasten.“
Tarifverhandlungen ohne Einigung
Die bisherigen Tarifverhandlungen zwischen IG Metall und Volkswagen sind ergebnislos geblieben. Die Gewerkschaft hat für den 12. Dezember zu einer Urabstimmung aufgerufen, bei der die Mitglieder über mögliche Streiks entscheiden sollen. Sollte die Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen stimmen, könnten ab Januar 2024 Warnstreiks an den deutschen Standorten beginnen.
„Die Belegschaft ist kampfbereit“, sagte Gröger. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass wir für unsere Rechte einstehen.“ Die IG Metall vertritt rund 120.000 Beschäftigte bei Volkswagen in Deutschland.
Volkswagen verweist auf schwierige Marktlage
Volkswagen hingegen argumentiert, dass die Sparmaßnahmen notwendig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. „Die Automobilbranche steht vor enormen Herausforderungen, insbesondere durch den Wandel zur Elektromobilität und den zunehmenden Wettbewerb aus China“, erklärte ein Unternehmenssprecher. „Wir müssen unsere Kostenstruktur anpassen, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern.“
Der Konzern verweist darauf, dass die Auslastung der Werke in Deutschland zu niedrig sei. Im ersten Halbjahr 2023 lag die Kapazitätsauslastung bei nur 70 Prozent, während die Fixkosten weiter steigen. „Ohne Einsparungen drohen noch tiefere Einschnitte“, so der Sprecher.
Auswirkungen auf die Region
Ein möglicher Streik bei Volkswagen hätte erhebliche Auswirkungen auf die Region. Der Autobauer ist einer der größten Arbeitgeber in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Rund 300.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an Volkswagen. „Ein Streik würde nicht nur die Produktion lahmlegen, sondern auch Zulieferer und den Mittelstand treffen“, warnte der Sprecher.
Die IG Metall ist sich dieser Verantwortung bewusst, sieht aber keine Alternative. „Wir wollen keine Eskalation, aber wir lassen uns nicht erpressen“, sagte Gröger. „Wenn Volkswagen weiter auf Konfrontation setzt, werden wir die Belegschaft schützen.“ Die Entscheidung über Streiks fällt am 12. Dezember.



