Führende deutsche Konzernchefs haben in einem gemeinsamen Appell an die Politik einen umfassenden Reformschub gefordert, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern. Die Initiative „Made for Germany“ bündelt die Forderungen von Spitzenmanagern unter anderem von Siemens, Volkswagen und der Deutschen Bank. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf in den Bereichen Bürokratieabbau, Energiepolitik, Digitalisierung und Fachkräftesicherung.
Bürokratieabbau und schnellere Planungsverfahren
Die Unternehmenslenker kritisieren, dass überbordende Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands massiv beeinträchtigen. „Wir brauchen eine echte Bürokratieentlastung und deutlich schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren“, sagte Siemens-Chef Roland Busch. Die Initiative fordert unter anderem die Einführung von Genehmigungsfiktionen und eine Digitalisierung der Verwaltungsprozesse. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belaufen sich die Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft auf rund 65 Milliarden Euro pro Jahr.
Energiepreise und Versorgungssicherheit
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Energiepolitik. Die Konzernchefs fordern wettbewerbsfähige Energiepreise und eine verlässliche Versorgungssicherheit. „Ohne bezahlbare und saubere Energie können wir im globalen Wettbewerb nicht bestehen“, erklärte Volkswagen-Chef Oliver Blume. Die Initiative plädiert für einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Erhalt von Reservekraftwerken. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) liegen die Stromkosten für Industriekunden in Deutschland rund 50 Prozent über dem Durchschnitt der EU-Konkurrenz.
Digitalisierung und Fachkräftemangel
Die Initiative „Made for Germany“ mahnt zudem eine beschleunigte Digitalisierung von Verwaltung und Infrastruktur an. „Wir hinken beim Breitbandausbau und der digitalen Verwaltung hinterher“, kritisierte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Die Konzernchefs fordern einen flächendeckenden Glasfaserausbau und die Einführung einer digitalen Identität für Bürger und Unternehmen. Auch der Fachkräftemangel wird als akutes Problem benannt. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts fehlen in Deutschland derzeit rund 630.000 Fachkräfte. Die Initiative schlägt unter anderem eine gezielte Zuwanderungspolitik und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor.
Steuerliche Entlastung und Investitionsanreize
Die Konzernchefs fordern außerdem steuerliche Entlastungen für Unternehmen, um Investitionen zu fördern. „Wir brauchen eine steuerliche Forschungsförderung und eine Senkung der Unternehmenssteuern“, sagte Roland Busch. Die Initiative verweist auf die hohe Steuerbelastung in Deutschland: Laut OECD liegt der effektive Steuersatz für Unternehmen bei rund 30 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen bei 21 Prozent. Die Manager schlagen eine zeitlich befristete Investitionsprämie vor, um den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu beschleunigen.
Reaktionen aus der Politik
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte die Initiative grundsätzlich, warnte aber vor zu hohen Erwartungen. „Wir arbeiten bereits an vielen der genannten Punkte, aber es gibt keine einfachen Lösungen“, sagte Habeck. Die Opposition kritisierte die Ampel-Koalition für ihre ausbleibenden Reformen. CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann forderte einen „grundlegenden Politikwechsel“ und warf der Regierung „Reformstau“ vor.
Ausblick
Die Initiative „Made for Germany“ will ihre Forderungen in den kommenden Wochen in konkreten Gesprächen mit Spitzenpolitikern vertiefen. Die Konzernchefs betonen, dass es um die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland gehe. „Wir müssen jetzt handeln, sonst verlieren wir den Anschluss“, warnte Christian Sewing. Ob die Politik die Forderungen aufgreift, bleibt abzuwarten – der Druck aus der Wirtschaft wächst jedoch stetig.



