Deutschland hat der Nato für das laufende Jahr Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe von 124,7 Milliarden Euro gemeldet. Dies gab das Verteidigungsbündnis zum Auftakt seines Gipfeltreffens in Ankara bekannt. Die Summe übersteigt den Vorjahreswert um 25,5 Prozent und stellt den größten absoluten Anstieg in der jüngeren deutschen Geschichte dar – rund 25,4 Milliarden Euro mehr als 2024. Für 2025 waren zuvor 99,3 Milliarden Euro veranschlagt worden.
BIP-Quote steigt auf 2,69 Prozent
Nach Nato-Berechnungen erreicht der Anteil der Verteidigungsausgaben am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) damit 2,69 Prozent. Im Vorjahr lag die Quote bei 2,22 Prozent. Die Berechnung erfolgt auf Basis inflations- und wechselkursbereinigter Zahlen. Innerhalb der Nato geben nur die USA mehr für Verteidigung aus als Deutschland.
Rutte verteidigt europäische Steigerungen
Nato-Generalsekretär Mark Rutte wies am Dienstag in Ankara scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump zurück, der die deutschen Investitionen zuvor als lächerlich bezeichnet hatte. „Allein im vergangenen Jahr haben die europäischen Verbündeten und Kanada fast 20 Prozent mehr für Verteidigung ausgegeben als im Jahr zuvor“, sagte Rutte. „Das sind zusätzliche 139 Milliarden Dollar. Betrachtet man 2025 und 2026 zusammen, ist es ein Anstieg um 258 Milliarden Dollar.“ Auch Bundeskanzler Merz wies die Vorwürfe zurück.
Baltische Staaten führen bei BIP-Quote
Spitzenreiter bei der BIP-Quote sind den neuen Zahlen zufolge Litauen (5,33 Prozent), Estland (5,10 Prozent), Lettland (4,92 Prozent) und Polen (4,68 Prozent). Sie liegen damit deutlich vor den USA, die 2026 auf 3,17 Prozent kommen sollen. Auf dem Nato-Gipfel im Vorjahr hatten die Alliierten auf Drängen Trumps vereinbart, spätestens ab 2035 jährlich 3,5 Prozent des BIP für klassische Verteidigung auszugeben – mit Investitionen in Infrastruktur und andere sicherheitsrelevante Bereiche sollen es sogar fünf Prozent sein. In Ankara wird nun überprüft, wie weit die Umsetzung fortgeschritten ist.
Hintergrund: Russland und faire Lastenteilung
Mit der drastischen Steigerung ihrer Budgets reagieren die europäischen Alliierten auf Forderungen Trumps nach einer faireren Lastenteilung sowie auf Russlands fortgesetzten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ziel ist es, Kremlchef Wladimir Putin durch eine deutliche Stärkung von Abschreckung und Verteidigung klarzumachen, dass ein Angriff auf ein europäisches Nato-Land keinerlei Erfolgschancen hätte.
USA bleiben in absoluten Zahlen dominant
In absoluten Zahlen sind die Europäer und Kanada jedoch weiter meilenweit von den USA entfernt. Die USA investieren 2026 wechselkurs- und inflationsbereinigt rund 850,2 Milliarden Dollar in Verteidigung – mehr als alle anderen Nato-Partner zusammen, die auf 633,9 Milliarden Dollar kommen. Die Vereinigten Staaten sind damit auch international die absolute Nummer eins, vor China und Russland. Deutschland steht nach Angaben der Denkfabrik IISS auf Platz vier.



