Das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 steht erneut vor einer möglichen Verschiebung. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf projektnahe Kreise berichtet, soll die Eröffnung des neuen Durchgangsbahnhofs nun erst für Ende 2031 geplant sein. Auch der SWR meldet unter Verweis auf Projektpartner, dass die vollständige Inbetriebnahme für Dezember 2031 vorgesehen sei.
Bahn äußert sich nicht zu Spekulationen
Ein Sprecher der Deutschen Bahn wollte sich zu den kursierenden Gerüchten nicht äußern. Man werde die Öffentlichkeit nach der Sitzung des Stuttgart-21-Lenkungskreises Ende Juni über das aktualisierte Inbetriebnahmekonzept informieren. Die entscheidende Sitzung findet am 26. Juni statt. Bis dahin bleibt offen, ob der bisherige Zeitplan tatsächlich hinfällig ist.
Erste Entlastungen für Fahrgäste ab Ende 2027?
Sowohl die FAZ als auch die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, dass Bahnreisende in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs ab Ende 2027 oder Dezember 2027 mit ersten Verbesserungen rechnen könnten. Derzeit sind aufgrund der Bauarbeiten lange Umwege zu den Gleisen erforderlich, die dann entfallen sollen. Eine vollständige Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs steht jedoch erst später an.
Teileröffnung bereits im Herbst 2023 abgesagt
Das Großprojekt ist bekannt für seine immer wiederkehrenden Verzögerungen. Erst im November 2023 wurde die für Ende 2026 geplante Teileröffnung des unterirdischen Bahnhofs abgesagt. Bahnchefin Evelyn Palla begründete dies mit Problemen bei der Digitalisierung des Bahnknotens. Ein neuer Termin wurde damals nicht genannt; stattdessen kündigte Palla eine umfassende Überprüfung des Projekts an, deren Ergebnis nun im Juni vorgestellt werden soll.
Baubeginn für Stuttgart 21 war bereits im Jahr 2010. Ursprünglich, bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung 2009, war eine Eröffnung für 2019 vorgesehen. Das Projekt umfasst nicht nur den neuen Hauptbahnhof, sondern die komplette Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens mit neuen Bahnhöfen (etwa am Flughafen), Dutzenden Kilometern Schienenwegen, Tunneln, Durchlässen und Brücken.
Digitalisierung bereitet Schwierigkeiten
Das Gesamtprojekt Stuttgart-Ulm schließt neben Stuttgart 21 auch die bereits 2022 eröffnete Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm ein. Herzstück ist der neue unterirdische Durchgangsbahnhof, der den bisherigen Kopfbahnhof ablösen soll. Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Knoten als erster in Deutschland komplett digitalisiert. Züge des Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehrs sollen dann ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren – klassische Lichtsignale entfallen. Die Digitalisierung gestaltet sich jedoch komplizierter als erwartet und trug maßgeblich zur Absage des letzten Starttermins bei.
Kosten explodieren auf über 11 Milliarden Euro
Auch die Kosten für das Prestigeprojekt sind massiv gestiegen. Der Finanzierungsvertrag von 2009 regelt nur die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro. Zuletzt bezifferte die Bahn die Gesamtkosten auf etwa 11,3 Milliarden Euro. Die Mehrkosten muss die Bahn einem Gerichtsurteil zufolge allein tragen.



