Dem deutschen Batteriehersteller Varta droht die Zerschlagung. Wie die „WirtschaftsWoche“ berichtet, planen die wichtigsten Gläubiger, das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauszulösen. Der verbleibende Teil des 139 Jahre alten Unternehmens könnte dadurch in die Insolvenz abrutschen. Varta wollte sich zu den Informationen nicht äußern.
Eine deutsche Industrielegende in Gefahr
Fast jeder Deutsche hatte schon einmal eine Varta-Batterie in der Hand. Die Marke ist seit Generationen aus dem Alltag nicht wegzudenken – in Fernbedienungen, Taschenlampen und Spielzeug. Nun steht die Industrielegende erneut vor dem Aus. Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde Varta zerschlagen, damals wurden die Auto- und Haushaltsbatterien verkauft. Übrig blieb das Mikro- und Hörgerätegeschäft.
Der Aufstieg einer Batterie-Legende
Die Geschichte von Varta beginnt 1887, als Adolph Müller in Hagen die „Accumulatoren-Fabrik Tudor’schen Systems Büsche & Müller“ gründet. 1890 wird daraus die Accumulatoren-Fabrik AG, kurz AFA. Das Unternehmen gewinnt Siemens und AEG als Kunden. Die Akkus treiben Straßenbahnen an, starten Autos und reisen 1896 mit zur Nordpol-Expedition von Fridtjof Nansen. 1912 arbeiten bereits rund 4000 Menschen für den Varta-Vorgänger. 1962 wird aus der AFA die Varta AG – der Name steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. 1969 fliegen Varta-Batterien mit zum Mond, angetrieben von einer Hasselblad-Kamera, die die erste Mondlandung dokumentiert.
Das Comeback mit winzigen Zellen
Das Comeback gelang Varta mit einer Batterie kaum größer als ein Hemdknopf: die CoinPower-Zellen, die in Apples AirPods stecken. 2017 ging der Konzern an die Börse, die Aktie stieg von 17,50 Euro auf über 180 Euro. 2021 setzte Varta mehr als 900 Millionen Euro um. 2020 holte das Unternehmen das zuvor verkaufte Geschäft mit Haushaltsbatterien zurück. Doch der Erfolg machte abhängig von Apple und den Kopfhörer-Akkus. Varta baute die Produktion massiv aus, dann sanken die Bestellungen. Asiatische Konkurrenten holten auf.
Der Absturz und die Folgen
2022 brach der CoinPower-Umsatz um 47 Prozent ein, in Nördlingen begann Kurzarbeit. Die Entwicklung neuer Auto- und Speicherbatterien verschlang viel Geld. 2024 folgte die Notrettung: Die bisherigen Aktionäre gingen leer aus, Varta verschwand von der Börse, Porsche und Michael Tojner stiegen ein. Doch nur rund 16 Monate später beendete Apple die Zusammenarbeit. Das Werk in Nördlingen schloss, rund 350 Jobs fielen weg. Jetzt fehlt erneut Geld und Varta droht zum zweiten Mal zerschlagen zu werden.
Die Gläubiger wollen nun das profitable Haushaltsbatterie-Geschäft abtrennen, um es zu retten. Der Rest des Konzerns könnte in die Insolvenz rutschen. Varta steht damit vor einer ungewissen Zukunft.



