Der Weltmarktführer für Montage- und Befestigungstechnik, die Würth-Gruppe, trotzt der schwachen Konjunktur und geopolitischen Spannungen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 4,3 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro, wie das Familienunternehmen am Mittwoch mitteilte. Besonders bemerkenswert: Das Betriebsergebnis legte überproportional um 8,4 Prozent auf 515 Millionen Euro zu (Vorjahr: 475 Millionen Euro). Damit konnte Würth die Wachstumsdynamik aus den ersten vier Monaten (damals +3,2 Prozent) sogar noch steigern.
Liquidität als strategischer Vorteil in unsicheren Zeiten
Würth-Chef Robert Friedmann betonte die Bedeutung der Lieferfähigkeit: „Würth ist lieferfähig.“ Dafür investierte das Unternehmen rund 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr in den Aufbau seiner Lager. Dies sei nur dank der hohen Liquidität möglich: Würth verfügt über knapp zehn Milliarden Euro Eigenkapital und fast zwei Milliarden Euro an liquiden Mitteln. „Liquidität ist in solch unsicheren Ausnahmezeiten wichtiger als Profitabilität“, sagte Friedmann. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bestätigte die Bonität mit „A/outlook stable“.
Geopolitische Risiken belasten die Prognose
Für das Gesamtjahr erwartet Friedmann ein „mittleres einstelliges prozentuales Umsatzwachstum“. Das Betriebsergebnis soll nach 970 Millionen Euro im Vorjahr 2026 wieder die Milliardengrenze überschreiten. Allerdings stellte er die Prognose unter Vorbehalt: „Entscheidend für die konjunkturelle Entwicklung im zweiten Halbjahr wird sein, wie belastbar geopolitische Entspannungssignale und wie verlässlich zentrale Handelswege sein werden.“ Die Lage im Nahen Osten zeige, wie fragil die Situation sei.
Frühindikator Wirtschaft: Kunden füllen ebenfalls ihre Lager
Würth gilt mit seinen vielen Kunden aus Handwerk und Industrie als Frühindikator. „Wir spüren, dass unsere Kunden ebenfalls ihre Läger wieder füllen“, sagte Friedmann. In Deutschland wuchs das Geschäft um 3,9 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Die Reformpolitik der Bundesregierung mache sich zwar noch nicht direkt bemerkbar, aber psychologisch zeige sie Wirkung. „Jeder weiß jetzt, dass alle einen Beitrag leisten müssen, um das Land wieder flottzubekommen“, so Friedmann. „Leistungsbereitschaft, Forschung und Entwicklung sind intrinsische Stärken unseres Landes.“
Globale Breite und neue Geschäftsfelder als Wachstumstreiber
Das in 80 Ländern aktive Unternehmen mit 400 Gesellschaften und über 2.800 Niederlassungen profitiert zunehmend von Bereichen jenseits der Befestigungstechnik. Besonders die Sparten Elektronik (eiSos) und Chemie entwickeln sich dynamisch. Der Umsatz der sogenannten Allied Companies erreichte im ersten Halbjahr 5,2 Milliarden Euro. Auch im Kerngeschäft Verbindungs- und Befestigungstechnik zeichnet sich eine Erholung ab. Positive Impulse kommen aus Osteuropa und Südamerika.
Stabile Mitarbeiterzahl und wachsendes E-Business
Der Vertrieb bleibt der zentrale Erfolgsfaktor: Rund 44.000 der weltweit 86.700 Mitarbeitenden sind im Vertrieb tätig. Die Mitarbeiterzahl blieb mit einem Minus von knapp 300 seit Jahresende 2025 nahezu stabil. Gleichzeitig gewinnt das E-Business an Bedeutung: Der Anteil am Gesamtumsatz der Würth-Gruppe liegt bei 25,3 Prozent. Friedmann sieht Würth mit seiner globalen Präsenz gut positioniert: „Unsere Breite ist unsere Stärke.“



