Die Teuerungsrate in Deutschland hat sich im Juni weiter abgeschwächt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, lag die Inflationsrate bei 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist der niedrigste Wert seit März 2021, als die Rate ebenfalls bei 2,2 Prozent gelegen hatte.
Rückgang bei Energiepreisen treibt Inflation nach unten
Haupttreiber für den Rückgang waren erneut die Energiepreise, die im Juni um 6,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau lagen. Auch die Preise für Nahrungsmittel stiegen mit 1,1 Prozent nur noch moderat. Ohne Energie und Nahrungsmittel hätte die Kerninflation bei 2,9 Prozent gelegen, wie das Bundesamt weiter ausführte.
Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im Monatsvergleich um 0,1 Prozent. Damit setzt sich der Trend sinkender Inflationsraten fort, der bereits im Mai mit 2,4 Prozent zu beobachten war. Ökonomen hatten mit einem Wert von 2,3 Prozent gerechnet, die tatsächliche Entwicklung fiel also etwas günstiger aus.
Entlastung für Verbraucher und mögliche Zinssenkungen
Für Verbraucher bedeutet die niedrigere Inflation eine spürbare Entlastung. „Die Kaufkraft der Haushalte steigt wieder, da die Preise langsamer zulegen als die Löhne“, kommentierte der Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. Dies könnte auch den Konsum ankurbeln, der in den vergangenen Quartalen schwach war.
Für die Europäische Zentralbank (EZB) eröffnet die Entwicklung Spielraum für weitere Zinssenkungen. Bereits im Juni hatte die EZB die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Analysten erwarten nun, dass eine weitere Senkung im September wahrscheinlicher wird. „Die Inflation im Euroraum nähert sich dem Zielwert von zwei Prozent, das erlaubt der EZB, ihre restriktive Geldpolitik schrittweise zurückzufahren“, so Niklasch weiter.
Ausblick: Inflationsrate könnte weiter sinken
Für die kommenden Monate rechnen Fachleute mit einer weiterhin rückläufigen Teuerung. Allerdings warnen sie vor möglichen Aufwärtseffekten durch höhere Lohnabschlüsse und die geplante Erhöhung des CO2-Preises im kommenden Jahr. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die endgültigen Daten für Juni am 11. Juli.
Die Entwicklung der Verbraucherpreise wird von der Bundesbank und der EZB genau beobachtet. Eine anhaltend niedrige Inflation könnte auch die Diskussion um die Haushaltspolitik der Bundesregierung beeinflussen, da die Steuereinnahmen nominal weniger stark wachsen.



